Nicanor Parra: „Parra Poesie“

parra-poesie-1

Ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, Bücher mit verschiedenen Sinnen zu erfassen, je nachdem für welchen sie am besten geeignet sind. Dazu gehören reale wie imaginierte Sinne: Bücher können gefühlt werden, gesehen, geträumt – und auch gerochen werden.

Wenn sich ein Buch vor allem der Nase als eindrucksvoll zu verstehen gibt, rangiert sein Geruch in derselben Varianz wie es die Natur, etwa eine Berggegend oder ein Strand, tut: Innerhalb des ihm eigenen Wirkkreis deutet es auf diesem Wege vieles an, entscheidet sich aber nicht für eine Intensität oder gar Qualität.

Wer in etwa versteht was ich meine, dürfte auch begreifen, warum die Lyrik am ehesten eine literarische Form des Geruches werden kann: Sie ist unbeständig aber dennoch immer Ausdruck einer Einheit. In ihrer gedrängten Macht – so zumindest in ihren besten Momenten – drückt sie all das aus, was sich dem Menschen sich generell nur andeutungsweise zeigt: Liebe, Existenz, Nicht-Sein, Wahrheit.

Wenn ich nun darüber nachdenke, was die Neuübersetzung von vier Gedichten und einigen lyrischen Artefactos – poetischen Aphorismen – von Nicanor Parra, die unter dem Titel „Parra Poesie“ in der PalmArtPress erschienen sind, an Gerüchen von sich geben, so ist eine einzelne mögliche Antwort schon vielgestaltig. Weiterlesen „Nicanor Parra: „Parra Poesie““