Überforderung

Wer fordert eigentlich bei Überforderung? Wohl eher ist es Übererwartung. 

Ich glaube es ist ein gutes Zeichen für die Widerstandsfähigkeit, in Zeiten der Überforderung mehr Bücher zu beginnen als abzuschließen. Mehr Gedanken fallen zu lassen – und sie doch genauso zu lieben wie die fertigen. Aber vielleicht ist das auch nur ein Traum. 

Denk ich an Poesi in der Nacht…

Nach fünf Uhr füllen sich die Autobahnen rapide mit PKW. Gerade reiste Montabaur vorbei. Poesi und ich sind auf dem Weg zur Buchmesse. 

Ich habe den Hunger und das Adrenalin der letzten Tage offenbar gesammelt und nicht verbraucht. Hellwach frage ich mich ob die letzten Wochen ein Rausch oder ein Wahnsinn oder bloß überfüllt und kurz vorm Platzen waren. 

Alle Schemen kommen einem bekannt vor. Alles scheint schon einmal da gewesen zu sein, zumindest soll das so schon mal gesagt worden sein. 

Poesi, meine seltsame Muse, ist geschminkt und zeigt sich gerade so altmodisch. 

Es hat mit ihr alles etwas Ironisches: nicht Einschlafen zu können vor Aufregung, die Entscheidung zwischen einem übertrieben mächtigen Frühstück oder einem Croissant plus schwarzem Kaffee oder dass ich mit einem Smartphone als Advokat für Brockes, Blass, Benn, Borchers und Brant auftrete. 

Hinter mir wird geschnarcht und niemand hier kennt meine Begleitung. Das beruhigt. Ich warte noch eine Stunde, um schläfrig zu werden und dann wird der Bus am Bahnhof anhalten, die Mengen zurückbringend, die uns auf die Tatsachen zurückholen: Die Schwerkraft, die Zeit, die Mödigkeit. Und die Einsamkeit der Dichtkunst. 

Marta Karlweis: „Schwindel“

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Obwohl die moderne Welt doch eigentlich wie geschaffen dafür scheint, so ist es dennoch selten, von einem Buch des 20. Jahrhunderts zu sagen: Hier hat jemand geschrieben, wie es ihm sein – bzw. ihr – Wille diktiert hat. Bei Marta Karlweis schon.

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App-Tipp: follow.trail

Es ist Samstag, ich hab ’ne Grippe. Ich liege also im Bett – und versinke seit langem mal wieder in einem Spiel.

Es heißt follow.trail und ist ein minimalistisches Puzzle. Es hat keine Menüs, keinen Text – und es ist absolut fesselnd. Ich habe bereits hier darüber geschrieben.

Und da ich aufgrund von Kopfschmerzen nur immer so zwanzig Minuten konzentriert an meiner Arbeit über mittelalterliche Enzyklopädien (hochspannend: lest mal die Wikipedia-Artikel zum Physiologus oder Brunetto Latini oder Konrad von Megenberg) sitzen kann, kommt mir dieses Spiel gerade enorm gelegen.

Entwickelt wurde es im Übrigen von einem Polen, der jetzt in Kanada wohnt. Er hat sich damit den Traum erfüllt, ein eigenes Spiel zu entwicklen und es als App zu publizieren. Hat er geschafft – und ich will ihm das bald gleichtun. Anfang Oktober ist es soweit, ich kann es kaum erwarten, hier davon zu berichten.