Aphorismus-Archiv

Vielstimmigkeit ist einer der Zwecke von Worte des Widerstands. Weshalb jeder Artikel mit Perspektivwechseln versehen ist: Im Text durch mein Ringen um Vernunft und Menschlichkeit, neben dem Text durch Aphorismen, die Komplemente dazu sein sollen.

Die wichtigste, wunderbarste Eigenschaft des Aphorismus ist es, dass er irgendwann abgenutzt ist. Zu oft gelesen, verwandelt sich jedes Zitat in eine Platitüde. Doch, und das ist die zweitwichtigste Eigenschaft, kann ihm ein neuer Kontext immer frische Würde verleihen.

Weshalb ich hier allen bisher als „alternativ“ neben den Artikeln markierten Zitaten einen alternativen Archivraum biete. Hier finden sie mit der Zeit immer neue Nachbarn und Umwelten.

Die Zitate sind (zurzeit) alphabetisch sortiert, nach dem Nachnamen des Urhebers/der Urheberin.

A

B

„There may be Gods, but what ice do they cut?“ – Samuel Beckett, Letters 1929–1940, S.150

„Marxistisches Wissen bedeutet: die schweren Vorgänge des Heraufkommens treten in Begriff und Praxis.“ – Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, S. 17

„Feilschen ist der Verlust der Sprache und der Wechsel von Worten. Ich gebe dir ein Wort und du gibst mir dafür ein anderes“ – Szilárd Borbély, Kafkas Sohn, S. 18

C

„Man braucht fremde Rhetorik, den Abscheu vor ihr, um aus der eigenen herauszufinden.“ – Elias Canetti, Das Geheimherz der Uhr, S. 72

D

E

F

G

„Welche wird […] die wirkliche Weltauffassung sein: die logisch als intellektuelle Tatsache behauptete oder diejenige, die aus der wirklichen Tätigkeit eines jeden hervorgeht, die seinem Handeln innewohnt?“ – Antonio Gramsci, Gramsci lesen, S. 116

H

I

J

K

„Meine Zweifel stehn um jedes Wort im Kreis herum, ich sehe sie früher als das Wort, aber was denn! ich sehe das Wort überhaupt nicht, das erfinde ich.“ – Franz Kafka, Tagebücher 1909-1912, S.102.

„‚Yeah, I’m a student.“ – ‚What’s a student?‘ – ‚Well it’s a guy learning and getting, well I ain’t getting paid'“ – Jack Kerouac, Lonesome Traveler, S. 75

L

M

N

„Die Erfahrung baut Nester. Da alle in solchen Nestern heranwachsen und von ihrer Nähe her denken, ist dies ein kollektives Nest. Jeder sucht sein Glück, seine Erfahrung, sein Zentrum. Wenn aber alle sich und ihren Kreis für das Zentrum halten, gibt es keines.“ – Oskar Negt/Alexander Kluge, Geschichte und Eigensinn, S.357

„Alle Ungeistigkeit, alle Gemeinheit beruht auf dem Unvermögen, einem Reize Widerstand zu leisten: – man muß reagiren, man folgt jedem Impulse. “ – Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung

O

P

Q

R

S

„In dem Dilemma zwischen System und Aphorismus bleibt nur ein Ausweg: das Phänomen im Auge behalten und die immer von neuem sich aufwerfenden Fragen immer neuer, tumultuöser Situationen auf ihre Kriterien zu erproben“ – Carl Schmitt, Über das Politische, S.16

T

U

V

„Es sind mir nur sehr wenige vorgekommen, die Verstand, Kraft und Willen genug hatten, um sich aus dem Spiel zu ziehen.“ – Mephistopheles zu Faust in: Paul Valéry, Mon Faust

„Ich ziehe eine vermurkste Lebendigkeit einer langweiligen Einheitlichkeit vor.“ – Robert Venturi, Komplexität und Widerspruch in der Architektur, S. 24

W

„Wenn eine einzige kollektive Leidenschaft ein ganzes Land ergreift, ist das gesamte Land einmütig im Verbrechen.“ – Simone Weil, Anmerkung zur generellen Abschaffung der Parteien, S. 12

X

Y

Z