Thomas Mann: Essays (1914-1926)

Begonnen am 13. Mai 2018.

14. Mai, 18.20 Uhr: Bin jetzt knapp 220 Seiten weit in den 1200 dicken Berg eingedrungen. Habe viel über die Lebensgeschichte Friedrichs des Großen gelernt, dessen Hauptkrieg Mann als Präfiguration des Ersten Weltkriegs ansah. Musste ihm zugeben, dass seine Leidenschaft für diesen und auch Bruno Walter (in „Musik in München“) ansteckend war. Eher widerwärtig seine Egozentrik („Zum Tode Wedekinds„) und sein Eintritt für die Förderung des Werks von Hans Pfitzner („Aufruf zur Gründung des Hans-Pfitzner-Vereins für deutsche Tonkunst“). Außerdem bisher keine Nennung einer weiblichen Künstlerpersönlichkeit, nur Maria Theresia hat im Fritz-Essay etwas Raum für sich.

14. Mai, 18.39 Uhr: Mein liebster Satz fiel bislang im Nachruf auf Eduard von Keyserling, dessen qualitative Unterordnung unter dem kurz zuvor verstorbenen Wedekind Mann mit folgender Meinung kommentiert: „Rangordnung ist sehr gut, aber ich glaube, das Reich der Persönlichkeit ist eine Demokratie von Königen“.

14. Mai, 19.41 Uhr:

Wozu arbeitet man? Wozu müht man sich, es den Menschen, den besseren Menschen recht zu machen? Nicht, um geliebt und gelobt zu werden. Ich finde, man tut es vielmehr, um lieben und loben zu dürfen […] Man trachtet nach dem eigenen Guten, sei es noch so beschränkt und bescheiden, um dem Guten überhaupt ein wenig näher zu kommen […].

Ausgerechnet in einer Rede auf diesen Pfitzner stehen solche schönen Worte…

17. Mai, 05.57 Uhr: Seite 311. Thomas Manns (auch philologische) Begeisterung für Fontane („Anzeige eines Fontane-Buchs“/“Über einen Spruch Fontanes“) ist ansteckend. Vor allem den „Stechlin“ und „Effi Briest“ sind mir so schmackhaft wie nie geworden.

17. Mai, 06.22 Uhr: Positiv überrascht, in seinem „Brief über Altenberg“, der wohl an Egon Friedell gerichtet ist, das Wort „Semiotik“ zu lesen. Es sind derartige Kleinigkeiten, nach denen ich im Lesefluss untergründig forsche. Sie sollen mir den Wandel in diesem Mann zeigen, politisch wie künstlerisch, den ich nämlich hinsichtlich des Gesamtwerks so oder so nach dem Nietzsche-Kriterium der persönlichen Experimentierlaune bewerten werde müssen.


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