Thomas Mann: Joseph und seine Brüder

Begonnen am 12. Mai 2018.13. Mai, 18.36 Uhr: Bevor es an den Text der ersten beiden Romane geht, habe ich beschlossen erst die Einführung des Kommentarbands aus der kommentierten Gesamtausgabe bei Fischer zu lesen. Am meisten will ich beim Lesen der eigentlichen Romane gerade darauf achten, wie Mann das Thema des Mythos, den er wie Nietzsche oft mit -us schrieb, innerhalb der Literatur reflektiert. Ziel schien es wohl zu sein, einen Gesamtmythos aus alles archaischen Religionen und Gesellschaften zu erzeugen.

15. Mai, 06.24 Uhr: Habe nun die Abschnitte über die Entstehungsgeschichte, die Quellenlage und die Textlage der Einleitung des Kommentarbands durch. Es folgt der noch sehr lange Teil über die Rezeptionsgeschichte, auf den ich mich aus historischem Interesse einerseits sehr freue, aber den ich auch gern überspringen wollen würde, um direkt in den Text einzusteigen – gerade weil dieser eine wirklich eigene Gestalt haben soll, nachdem gerade bei „Joseph der Ernährer“, davon erzählt der „Textlage“-Teil, viele Fehler bei der Typoskriptübermittlung von Manns Haus in Kalifornien bis zum Verlagsort des Fischerverlags in Stockholm unterlaufen sind.

15. Mai, 08.10 Uhr: Bin völlig in der Rezeptionsgeschichte versunken. Die Essays der Kommentarbände der großen Frankfurter Ausgabe vermögen mich bislang alle durchweg zu überzeugen. Es wird hier anhand eines Anti-Nazi-Projekts die Ausbreitung und beginnende Zurückbildung des nationalsozialistischen Terrors abgebildet, durch eine Darstellung des Sprachverfalls in der Literaturkritik.

16. Mai, 22.00 Uhr: Heute früh mit der Höllenfahrt begonnen. Sie hat nach wenigen Seiten schon geschafft, was der Zauberberg bis zum Schluss nicht vermochte: mich berührt. Ich will weiterlesen und genauer versuchen zu begreifen, wieso sie das schafft.

20. Mai, 11.56 Uhr: Bin bis zur Dina-Geschichte, die bisher am meisten ausgeschmückte und vor allem linear erzählte, vorgeschritten, das meiste davon am heutigen Vormittag. Die Form mit kurzen Abschnitten und überschaubaren „Hauptstücken“, aus denen die Romane bestehen, sagt mir zu. Zur Orientierung gestern und vor ein paar Stunden noch in einem Weltgeschichtsatlas durch die Seiten über die ägyptischen Dynastien mit angeschlossenen Nildelta-Karten geblättert – und außerdem mich einmal mehr über die Buch- und somit Geschehnis-Reihenfolge der Geschichten des AT informiert. Einige Bilder aus der Kindheit, in einer illustrierten Bibel gefunden, tauchten dabei und in den letzten beiden Tagen wieder auf, vor allem die Salbung Jakobs von Rebekka „als Esau“ und das anschließende Abtasten durch Isaak.

25. Mai, 16.14: Habe Rahel kennengelernt. Allein anhand der Buchstaben wird klar, wieso sich Jakob in sie verlieben muss. Sie ist so irreal wie ihre Rede fast schon material im Ohr klingelt und aufwühlerisch randaliert.

26. Mai, 13.40 Uhr:

Geschichten, die uns an einem Ort widerfahren, sind Wurzeln gleich, die wir in seinen Grund senken.

Habe Jaakobs bislang größte, die doppelzüngige Hochzeit. Hinter mich gebracht, mit Anteilnahme, Bewunderung für die Beschreibung von Rahels Kleid und Mitleid mit Lea, nicht mit der schönen Jüngeren.

4. Juni, 07.32 Uhr: Samstag den ersten Band beendet, gestern mit Der junge Joseph begonnen. Die ersten Kapitel zeugen von einer veränderten Art der Essayistik, die Mann in den Text einflechtet. Sie ist etwas fragmentierter, zeugt von Wissenszuwachs und Sprunghaftigkeit, wie ich meine.

22. Juni, 10.38 Uhr: Nach einer zweiwöchigen Unterbrechung aufgrund wissenschaftlicher Lektüreverpflichtungen, über die ich nicht nur nicht schreiben sollte, sondern auch gar nicht schreiben will, arbeite ich mich wieder in den jungen Joseph ein. Mann macht es aber im Zweiten Hauptstück leicht, immerhin wird nicht mehr so viel von Kosmologie gefaselt wie in dem Lehrstück mit Joseph und Eliezer. Bin auf die kommenden Abraham-Stellen sehr gespannt.

11. Juni, 17.26 Uhr: Den jungen Joseph Stück für Stück während des Abschlusses meiner Abschlussarbeit fort- und zu Ende gelesen. Höchst beeindruckend: Die Prügelszene und das Dunkel des Brunnens. Ansonsten bleibt von diesem Buch weniger in Erinnerung, vielleicht noch das Handgelenk Benjamins, das der vorlaute Joseph ergreift. Die Sympathie zu einem Charakter fehlt einfach komplett wie es sie im ersten Band zu gleich zweien, Jaakob und Rahel, gab. Nun der dritte Band: der ist viel viel erzählerischer, man ist fast in einem Film aus brillanten Standbildern, die ein ums andere lebendig werden.


Zur verwendeten Ausgabe -> Link

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