Hart Crane // 1

Wie wird mehr über das Ich preisgegeben – indem man es stilisiert, indem man es offenbart oder indem man es versteckt?

Das englische Wort „devotion“ erzählt viel über das Leben. Vom Deutschen herkommend und auf seine fremdsprachige Bedeutung hingehend, liegt auf halbem Wege zu seinem Wesen das devote Existieren, etwas übergeordnetem mit der Selbstaufgabe im Sinn zu folgen. Wird der devote Gang jedoch bewusst und mit Würde zu Ende beschritten, dann wartet am Ende eine Tür, die man Hingabe nennt – was auch der echte Begriff für die Englisch Sprechenden hinter „devotion“ ist.

„Devoted“ ist jeder, der sich etwas verschrieben hat. Idiotisch fast, dass sich ein total devoteter Dichter als jemand darstellt, der sich seiner Profession vollständig verschreibt, sich aber dann nicht mehr verschreiben kann.

So kann ich von Hart Crane reden, mit diesem Wort.

Momentan durchlebe ich sein Leben durch die Filter seiner Briefe an andere Menschen, ohne Antwort, denn so sind sie in der Ausgabe abgedruckt, die ich besitze. Fast alle der (angeblich) von Crane angeschriebenen Menschen sind mir auch völlig unbekannt.

Dadurch entblößt sich dieser Dichter aber auch umso radikaler, wie vor einer grellen weißen Wand, die seine Gebrechen, seine scheinbar nur allzuoft zitternden Bewegungen beleuchten, als wären sie der Welt absolut fremd.

Insgesamt rund 500 Seiten zählen die Briefe abgedruckt. Die Gedichte Cranes, gesammelt unter den Titeln White Buildings und The Bridge, umfassen keine 130. Wo ist er mehr er selbst? Ich weiß es nicht, ich glaube weder noch, eher irgendwo dazwischen.

Was ich sagen kann ist (und was gerade vor der Folie der Vergangenheit dieses Projekts hier Geltung hat), ist dass Crane als devoted poet kein politisches Bewusstsein hatte, das nicht direkt ihn selbst betraf. Die moderne Lyrik ist nicht sozial, vielleicht ist es sogar keine Form der Lyrik, das ist mir mittlerweile klar geworden.

Wieso ich dennoch von ihm und meiner Lektüre spreche? Faszination ist es (noch) nicht, aber eine Art inneres Bedürfnis. Ich spreche keine Empfehlung aus, Crane zu lesen, sondern will nur diffus vorwarnen, dass ich mich in ihm verlieren könnte.

 

Veröffentlicht in Lyrik

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