Ich führte eine Grundsatzdebatte mit mir selbst

Wo sich heute so vieles konstituiert, muss sich auch mal was zersetzen.

Das bin ich diesmal selber – und Worte des Widerstands gleich mit. Nach intensiver Reflexion und einigen eindrücklichen Gesprächen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sich hier was ändern sollte. Nicht muss, aber sollte.

Dieses Urteil hängt aufs Engste mit der Bundestagswahl zusammen. Im Vorfeld der Wahl war hier viel über sie zu lesen, aber eines eigentlich nicht: meine Meinung dazu. Intelligenten LeserInnen dürfte diese auch trotzdem klar geworden sein, spätestens wenn ich mehr oder minder deutliche Wahlempfehlungen ausspreche. Dennoch gehört das eigentlich hauptsächlich zu Politik: seine Meinung formulieren.

Mir ist klar geworden: Ich formuliere hier anderes.

Ich formuliere Gegenmeinungen und Gegenöffentlichkeiten. Mein Widerstand liegt, anders als der Antrieb zu diesem Projekt im Januar suggerierte, nicht in der bloßen Aktion, sondern in der überlegten (Re-)Aktion und vor allem in der Umorientierung und Neuformulierung der Welt.

Klingt hochgestochen und ist es auch; aber nicht um des Hochstechens willen, sondern um meiner Selbst willen.

Oben steht: „Wie man wird, was man sein will.“ Ich wollte im Januar politisch bewusster und partizipierender werden. Das bin ich geworden. Ich bin zwar kein Parteimitglied, aber ich spende regelmäßig an die Partei, die die in meinem Innern unerschütterlich selbstverständlichen Ansichten über die Gesellschaft teilt. Ich lese mehr Nachrichten als Werbeplakate morgens in der Bahn. Das war vorher anders.

Die Politik ist mir aber nicht das Wichtigste im Leben geworden und darum ist jetzt eine Grenze meines Engagements für ihren guten und solidarischen Fortbestand getan und diese werde ich in Zukunft verteidigen. Mein Herz gehört allerdings wem anders.

Ich will das sein, was der Literatur und der Philosophie verschrieben ist. Ihnen will ich nahestehen. Für sie brauche ich nicht zu kämpfen, weil sie mehr sind als Objekt einer notwendig erscheinenden Pflicht, sondern Leidenschaft.

Darum werde ich ab jetzt auch zu dem stehen, was in den vergangenen Tagen hier schon langsam zur Norm geworden ist: Ich werde meinen selbst auferlegten Tagesrhythmus verlassen. Kunst ist kein Automatismus, sondern wehrt sich durch Unberechenbarkeit.

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