Erinnerungskultur

Aus gegebenem Anlass ein kurzer Kommentar.

Ich habe ein Angebot erhalten, in ein paar Monaten eine kleine Lehrveranstaltung zum Thema Erinnerungskultur mit Jugendlichen zu leiten. Darin soll es um deutsch-israelische Beziehungen aus der Perspektive von jungen Menschen gehen. Ich habe mir dazu jetzt einige Bücher ausgeliehen – sie rangieren von Saul Friedländers großer Geschichtsstudie über das Dritte Reich und die Juden bis hin zu einem kleinen Buch aus den 90ern, in dem Schulkinder mit Zeichnungen und Geschichten ihr Jüdischsein zum Ausdruck bringen.

Außerdem sagt Alexander Gauland jetzt, man habe als Deutscher das Recht, stolz auf die Leistungen der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg sein.

Wie unvereinbar diese beiden Perspektiven auf die Beschäftigung mit der absolut widerwärtigen und so eindeutig schlechten Rolle Deutschlands in diesem Geschehen sind, hat mir gerade ein Facebook-Post gezeigt. Es war ein Foto eines deutschen Soldaten, der vor einer großen Anzahl Mithelfer – Schaulustiger, Verbrecher, wie unbeteiligt dastehender Menschen oder was auch immer – einen ukrainischen Juden erschießt.

Ich war schockiert und das obwohl – und auch irgendwie gerade weil – ich mittlerweile so vieles und so unterschiedliches über diese Zeit gelesen habe. Und dass Alexander Gauland diesen Schock derart gut überwinden kann, dass er Sätze sagen kann, wie er sie sagt, hat mich dann noch mehr schockiert.

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