Petter Moen

Aus dem Urlaub ein kleiner Hinweis auf einen Mann, der ein einzigartiges Tagebuch verfasst hat, unter größtem Verzicht und bis ins Mark leidend.

Die Entdeckung verdanke ich der Lektüre von Ernst Jüngers Waldgang, in dem dieser auf Moens Tagebuch verweist und dazu schreibt:

Man wird vielleicht später einmal jenen Teil unserer Literatur als den stärksten empfinden, der am wenigsten literarischen Absichten entsprang: all diese Berichte, Briefe, Tagebücher, die in den großen Treibjagden, Kesseln und Schinderhütten unserer Welt entstanden sind.

Als Beispiel verzeichnet er darauf das Tagebuch des Norwegers und Widerstandskämpfers gegen die deutsche Besatzung, das laut dem zugehörigen Wikipedia-Eintrag folgendermaßen entstand:

Während der deutschen Besatzung ab 1940 beteiligte er [Moen, L.H.] sich an der Produktion und Verteilung der illegalen Zeitungen Free Press, Rex Rotary und Nytt London. Letztere war die größte illegale Zeitung, deren Herausgeber er wurde. Er führte auch eine Gruppe an, die das Aulafeuer im Herbst 1943 in Oslo veranlasst hatte. Im Februar 1944 wurde die […] Druckerei entdeckt, er wurde verhaftet und kam zuerst in Einzelhaft und dann in eine Dreierzelle […]. Dort schrieb er […] Tagebuch auf WC-Papier mittels eines Metallstifts. Er stach Buchstaben auf einzelne Blätter, fünf rollte er zusammen und umgab sie mit einem sechsten Schutzblatt, das er konsequent nummerierte. Er warf sie unwiderruflich durch das Gitter der Ventilationsklappe in den unsichtbaren Lüftungsschacht der Zelle und nichts mehr konnte er nachträglich daran berichtigen. So kamen um die zweihundert authentische Momentaufnahmen zusammen; die sich um Verhöre, Folterung, Ängste, Schmerz, Verrat, Vorwürfe, Selbstzweifel, Einsamkeit, Sehnsucht nach „Bella“, seiner Frau, Fragen und Schreien nach dem schweigenden Gott und um den öden Alltag, die Schikanen der Wächter und die karge Verpflegung im Gefängnis drehten. Einige Einträge haben Ähnlichkeiten mit dem biblischen Buch Ijob.

Ich habe mir das Buch direkt bestellt. Wie ich auch Ernst Jünger durch seine Briefe nicht nur besser beurteilen, sondern auch in seiner Zeitkritik deutlicher verorten kann, hoffe ich einfach mal, dass sein Urteil mich in diesem Falle nicht verrät und Moen tatsächlich, wie er meint, ein „geistiger Nachfolger Kierkegaards ist.

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