INFORMR: Ein Interview mit Rike Schiller und Jan Schipman

Nachdem ich gestern bereits eine kleine Lobeshymne auf das vielfältige Engagement von funk losgelassen habe, freue ich mich sehr, heute eine Diskussion über INFORMR, meinem liebsten Format, mit seinen Machern veröffentlichen zu dürfen.

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INFORMR gibt es seit Ende 2016, die Facebook-Seite verzeichnet den 7. Dezember als offizielles Gründungstag. Seitdem ist jede Woche für Rike Schiller und Jan Schipman Themenwoche. Alle sieben Tage nehmen sie sich ein neues Thema vor die Brust und produzieren Videos dazu.

Ergebnisse waren bis vor ein paar Wochen vor allem knackige Meinungen in kurzen Clips, die polarisieren, aber auch immer kritisch dabei bleiben. Ein Beispiel:

Seit drei Wochen läuft nun ihre Video-Reihe zur Bundestagswahl, durch die ich persönlich auch erst so richtig auf INFORMR aufmerksam geworden bin.

Quadratisch geschnitten – also optimal für den Facebook-Feed –, praktisch und informativ läuft das Ganze ab: Jeden Montag wird in einer Minute ein Themenkomplex wie Landwirtschaft oder Finanzen umrissen. In den darauffolgenden Tagen kommen Politiker der sechs Parteien mit Chancen für den Bundestag in mehreren Videos zu Aspekten der Themen wie etwa Cannabislegalisierung, Bildung für alle oder Gentechnik zu Wort.

Mit dabei sind Katharina Barley (SPD), Volker Kauder (CDU/CSU), Cem Özdemir (Die Grünen), Alexander Gauland (AfD), Christian Lindner (FDP) und Dietmar Bartsch (Die LINKE).

Wichtig für Studenten wie mich – und damit für diesen Beitrag ein gutes Beispiel – sind dabei wohl Videos wie diese:

Aber nun keine weiteren Vorreden mehr – das Interview ist noch informativer:

1. Zu Beginn wäre (noch) etwas Kontext zu Eurem Format hilfreich: Wie ist es entstanden, wer produziert die Videos, ist es Euer Hauptjob – vielleicht erzählt Ihr einfach ein wenig.

INFORMR ist ein Format, dass für das ARD/ZDF-Content Network „funk“ entwickelt worden ist. Unsere Produktionsfirma Hyperbole TV produziert dabei im Auftrag von MDR Sputnik. Wir arbeiten hauptberuflich an dem Format, anders würde es sich nicht stemmen lassen, da wir sehr viele Videos veröffentlichen und ein enorm produktionstechnischer Aufwand dahinter steckt.

2. Eine wichtige Frage vorab, gerade in Bezug auf ein politisches Format: Wie unabhängig seid Ihr von funk? Habt Ihr komplett freie Hand in der Themengestaltung? Oder gibt es ein paar Regeln?

Abgesehen von den Regeln, die generell für die Öffentlich-Rechtlichen gelten (beispielsweise die Berücksichtigung der „abgestuften Chancengleichheit“), haben wir ziemlich freie Hand. Die Themen stimmen wir in Zusammenarbeit mit den Redakteuren von MDR Sputnik ab. Die kennen wir mittlerweile sehr gut und die Kommunikation läuft sehr angenehm ab. Manchmal kommen Themenwünsche (z.B. die Teilnahme an einer ARD-Themenwoche), aber das ist dann kein Zwang.

3. Was ist Euch bei der Konzeption der einzelnen Fragerunden mit den Politikern am wichtigsten?

Es war uns enorm wichtig, dass unsere eigene Meinung in den Interviews keine Rolle spielt. Jeder Politiker hat dieselben Fragen bekommen, und jeder hat gleich viel Zeit bekommen, sich zu äußern. Einige haben diese Zeit ausgereizt, andere haben sich je nach Frage nur in sehr knappen Statements geäußert. Das ist dann natürlich den Politikern überlassen. Außerdem wollten wir möglichst viele Themen abdecken, deshalb haben wir uns für die Ausspielung über mehrere Wochen entschieden. Dabei wechselt wöchentlich der Themenbereich, zu dem wir dann immer mehrere Videos veröffentlichen.

4. Wie haben die sechs befragten Politiker dieses Konzept aufgenommen?

Wenn wir Feedback bekommen haben, ist es ausschließlich positiv ausgefallen. Mit einigen Politikern war es zeitlich möglich, sich über unser Format und unsere Ziele auszutauschen – das wurde durchweg sehr interessiert angenommen. Andere hatten einen enorm engen Terminplan, die mussten direkt weiter. Das ist bei hochrangigen Politikern natürlich auch verständlich.

5. Unter einem Eurer neueren Videos bemängelt ein Zuschauer, dass Eure Produktionen Widersprüche enthalten würden. Gerade das scheint mir aber das angestrebte Ziel zu sein: Unterschiedliche Positionen anregen und sie nicht ganz störungsfrei nebeneinander zu stellen. Sehe ich das richtig?

Was uns wichtig ist – und auch schon in den „normalen“ Pro/Contra-Videos am Herzen lag – dass wir einer möglichst weiten Bandbreite von Meinungen ein Forum bieten. Wir wollen Diskussionen anregen und Austausch fördern. Und zwar einen Austausch, der über die sogenannten Filterblasen hinausgeht. Zur Bundestagswahl liegt es uns natürlich besonders am Herzen, dass User sich auf kurzem Weg – direkt aus dem Mund der Spitzenpolitiker – über Positionen zu Themen informieren können, die ihnen thematisch am Herzen liegen. Ob diese Aussagen widersprüchlich sind, darauf haben wir natürlich keinen Einfluss.

6. Jede Themenwoche schließt mit einem Video von Euch beiden, in dem ihr Fundstücke aus den Wahlprogrammen zum jeweiligen Thema kommentiert. Dort seid Ihr eher Kritiker als Moderatoren. Wie wichtig ist es Euch, die eigene Meinung nicht verstecken zu müssen – und warum?

In erster Linie sollen diese Videos einen kompakten Überblick über Pläne der Parteien geben und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu wichtigen Themen bieten. Das machen wir natürlich gerne etwas lockerer als die Interviews mit den Politikern und ziehen das gerne etwas humorvoller auf. Dabei achten wir aber drauf, dass keine Partei übermäßig durch den Dreck gezogen wird. Wir sind beide keine Anhänger einer spezifischen Partei und unsere Meinungen unterscheiden sich zu vielen Themen teilweise stark. Verstecken müssen wir die Meinungen nicht. Trotzdem wollen wir – insbesondere, weil öffentlich-rechtlichen Formaten immer eine ziemliche Linkslastigkeit vorgeworfen wird – eine differenzierte Berichterstattung durchziehen. Uns wurde jedenfalls schon sowohl Linkslastigkeit als auch Rechtslastigkeit vorgeworfen. Und dann machen wir in dieser Hinsicht wohl schon einiges richtig.

7. Geht es nach der Bundestagswahl weiter mit INFORMR? Was sind vielleicht auch schon konkrete Pläne?

Es geht auch nach der Bundestagswahl weiter. Wir haben schon verschiedene Konzepte im Kopf, wie wir das Format noch optimieren und inhaltlich weiterentwickeln können. Immer den gleichen Kram machen, das wird auf Dauer mit dem besten Format langweilig. Von daher: Wir haben noch viel vor!

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