Mini-Auseinandersetzung: Lindner und Russland

Meine Blogbeschreibung auf Facebook ist ja immer noch „Ein Blogprojekt gegen das träge politische Gewissen“ – nur wie gerade dagegen arbeiten?

Wenn ein bestimmtes Niveau/Plateau erreicht wird, ist es in jeder Disziplin schwierig, zu erkennen, wo das nächste Level liegt. In Sachen politisches Engagement befinde ich mich derzeit gerade glaube ich in so einer Phase.

Denn mein Anspruch auf die politische Wirksamkeit dieses Blogprojekts kollidiert mit meiner nicht aufzuhaltenden Tendenz, mich obsessiv mit bestimmten Themen zu beschäftigen. Allgemein ist das die US-Politik – über die ich hier, wie schon (zu) oft betont, aber aus allgemeinem Überdruss nicht schreiben will –, im Detail bestimmte Kunstwerke, Literaturen, Gedankengänge.

Globale Politik ist für diese Betrachtungsweise nicht geeignet. Aber ich will sie dennoch besser verstehen können.

Eine kurze Auseinandersetzung mit der heutigen Aussage von Christian Lindner, man solle in Europa die Beziehungen zu Russland doch verbessern und die Krim dazu als ein „dauerhaftes Provisorium“ ansehen, hat mir eventuell einen Weg eröffnet, Anspruch und Wirklichkeit wieder ein wenig einander anzunähern.

Denn mit nur ein paar Verbindungslinien ist es möglich, von seiner Aussage aus ein Netz an globalen Interessenkonflikten zu ziehen. Für geübte politische Berichterstatter dürfte das kaum überraschend sein, mir ist das aber noch neu und ungewöhnlich genug, dass es mich beeindruckt.

Die Zeichnung aus den Linien entsteht so: Lindner sagt obiges und fordert weniger Sanktionen. Wie der Spiegel berichtet, rechnen Kenner aber nicht damit, dass die Bundesregierung vor der Wahl (DIE SCHON IN WENIGER ALS ZWEI MONATEN IST!!) diesbezüglich noch den Kurs ändert.

Heißt: Lindners Aussage ist Wahlkampfpolitik. Wen will er damit ansprechen: Mich auf jeden Fall nicht. Ich versteh’ den Zusammenhang nämlich nicht. Wer aber energiepolitisches Wissen hat, der schon.

Denn Russland hat Gas – und Deutschland will das haben. Dafür wird seit einigen Jahren die Nord Stream 2 Pipeline gebaut. Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland schwächen deren Baufortschritt und somit verbundene Kapitalerträge. Heißt wiederum: Lindner sagt, die Menschenrechtsverletzungen durch Putin auf der Krim sollen akzeptiert und übergangen werden, damit das Land wieder effektiver Geld in Deutschland generiert.

Die Bundesregierung aus SPD und CDU steht dahinter, indem sie wiederum die jüngst beschlossenen Sanktionen der USA gegen Russland verurteilt. Somit stehen im Punkt Krim-Politik SPD, CDU und FDP nah beieinander – und gegen Trumps USA.

Als nächstes musste ich dann daran denken, dass die USA und Russland ja auch im Syrienkonflikt teils auf unterschiedlichen Seiten agieren und dass die USA zugleich von Nordkorea immer stärker bedroht werden – und da hat mein Kopf dann abgeschaltet…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s