Mein liebster Expressionist…

… scheint Alfred Lichtenstein zu sein.

Man muss sich doch nur einmal dieses Gedicht durchlesen:

Die Dämmerung

Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich,
Als wäre ihm die Schminke ausgegangen.

Auf lange Krücken schief herabgebückt
Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.
Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt.
Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.

An einem Fenster klebt ein fetter Mann.
Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen.
Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an.
Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.

*

Man vergisst über die zwei Spielgefährten im ersten Vers beinahe komplett den ratternden Rhythmus, den die Natur in der Stadt zu haben scheint.

Alles scheint so festgefahren zu sein – aber wieso fluchen dann die Hunde und nicht die Menschen. Und wie kann ein Dichter nur vielleicht verrückt werden. Er muss es werden!

Es ist bloßes Wollen, aber kein Können in diesem Gedicht, nur das Flennen und das Geschwätz, alles das nur, was bloße Worte und keine Sprache verwahrt.


Mir gehen viele solcher Gedanken in diesen Tagen durch den Kopf und kaum anderes hat mehr Platz. Das ist erregend, aber es strengt mich an. Morgen lese ich nach nur anderthalb Tagen das Buch mit allen Gedichten von Else Lasker-Schüler durch. Wenig von ihr gefällt mir wie die zwölf Zeilen hier oben – aber ich lerne daraus umso mehr. Warum, will ich bald endlich sagen können!

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