Der Wandsbecker Bote: Periodisierung, „damals wie heute“

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In dieser Woche kommen die Beiträge alle immer reichlich spät. Das liegt daran, dass ich mit meinem Kopf derzeit woanders bin: bei Gedichten, vielen Gedichten – deren Grund noch ein Gehemnis ist…

Claudius hat mich in den letzten paar Stunden ein wenig aus diesem aktuellen lyrischen Zustand „zurückgeholt“. Seinen Wandsbecker Boten habe ich eigentlich auch wegen der Gedichte zur Hand genommen – aber dann erst wegen seiner Struktur und wechselnden Ausrichtung auf den ersten rund 100 Seiten tatsächlich schätzen gelernt.

Matthias Claudius hat den Wandsbecker Boten 1770 übernommen und fünf Jahre lang allein geleitet – so wie es auch etwa Karl Kraus mit der Fackel oder Antonio Gramsci mit L’Ordine Nuovo getan haben.

Der Unterschied bei Claudius: Er erzählt mehr, als dass es ihm um Arbeit, Leistung und Produktivität geht. Was ihn ungeheuer sympathisch und auch – insbesondere aus der Perspektive meiner Wenigkeit, die diesen Blog betreibt – ungeheuer beneidenswert macht.

Denn auf die Periodizität hin betrachtet ist mein kleines Unterfangen hier der Wandsbecker Bote strukturell nicht unähnlich. Claudius mischt Rezensionen (etwa von Goethes Werther oder Klopstocks Oden) mit Gedichten aus eigener Hand und ironischen, gesellschaftskritischen Spitzen, gezeichnet von Pseudonymenhand. Er periodisiert seine Lektüre, seine kreativen Ideen, seine tagtäglichen Querelen mit der Welt um ihn herum.

Es ist selten, sich so schnell in einem Werk so heimisch zu fühlen, wie ich es mit Blick auf meine eigenen Ambitionen, die ich so gern belebt lassen will wie jetzt, in diesem Buch tue. Das ist kein substantieller Beitrag über Claudius, aber mir gerade ein immens notwendiger.

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