Nationalfetisch Auto

Ohne die Gewalttätigkeit der steinewerfenden Demonstranten zu beschönigen oder gar zu verteidigen, perspektiviert Leo Fischer mit seinem Kommentar über brennende Autos elegant die Berichterstattung zum G20-Gipfel.

Es gibt für Deutsche keine schlimmere Kränkung, als wenn man ihre Autos angreift. In den Kommentaren zu den G20-Protesten […] werden »brennende Autos« regelmäßig vor zertrümmerten Ladenfenstern und verletzten Personen erwähnt; letztere sind ersetzbar, aber der Nationalfetisch Auto ist mehr noch als Hymne und Flagge unabdingbar – als ein symbolisches Zentrum kleinbürgerlicher Aufstiegsideologie.

Es lässt mich immer noch alles ratlos zurück, aber mit der Analyse hat er auch ohne G20 absolut recht. Ob es legitim ist, im weiteren Verlauf des Kommentars ausschließlich über polizeiliche Gewalt zu sprechen, sei dahingestellt – viele Gründe, die Fischer anspricht, sprechen jedoch dafür.

Ich möchte zu der Debatte nur eine Kleinigkeit hinzufügen, einen Denkanstoß, den ich über die sonst recht flachwitzige Studentenplattform „Jodel“ erhalten habe. Dort sprechen sich in diesen Tagen viele Studenten in meinem Wohnort Bonn für die Polizei und pauschal gegen die „Linksextremen“ aus.

Eine einzige wirksame Gegenstimme habe ich gefunden, sie schrieb sinngemäß: „An alle, die sich jetzt über die brennenden Straßenbarrikaden aufregen: Weitet die Empörung doch bitte auch auf brennende Flüchtlingsheime aus.“

Sollten sie in der Tat. Wer googelt findet allein aus dem letzten Monat viele Berichte über Brandanschläge auf Flüchtlingsheime. Brandanschläge die womöglich gezielt gegen Menschenleben gerichtet waren. Von den Taten in 2015 und 2016 ganz zu schweigen.

Was wieder einmal beweist: Hass und Verachtung sind unökonomisch – und das Unternehmen Gewissen dahinter kann durch sie schnell bankrott gehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s