Münster Skulptur Projekt 2017

Ich war für einen Kurztrip in Münster und dort mit dem Fahrrad auf die Suche nach Skulpturen.

skulptur-steyerl-1

Es war absolut überfällig, dass hier mal wieder ein Foto auftaucht, auf dem kein Buch zu sehen ist.

Das oben ist eine Skulptur – oder Installation? der Unterschied verwirrt mich immer noch… – von Hito Steyerl. Sie ist Künstlerin und lebt in Berlin. 2016 stellte sie im Dortmunder U die hochgelobte Installation „Factory of the Sun“ aus. Das oben zu sehende „HellYeahWeFuckDie“ ist ihr neuestes Werk.

Eigentlich bringt es nicht so viel, darüber zu schreiben, denn es arbeitet auch mit Klang – und braucht dafür Raum. Aber ich finde es trotzdem nützlich, hier nochmal über den Eindruck zu reflektieren, den es auf mich gemacht hat. Das führt mich nämlich zurück zum in den letzten Wochen etwas vernachlässigten Konzept des Widerstands zurück, den ich zu pflegen versuche.

In „HellYeahWeFuckDie“ kann ich verschiedene Arten, Schichten sozusagen, von Widerstand entdecken, die mir nahestehen – vielleicht weil ich sie hineinlese, vielleicht, weil die Zeit und ihre Politik es aktuell ermöglichen, ganz gleich: Sie sind da, für mich.

Die erste hängt mit dem Raum zusammen, in dem die Skulptur steht. Sie wurde im Foyer der großen Münsteraner Betriebsstelle der Bank LBS platziert. Wie widerständig ist es da, keine direkte Kapitalismuskritik zu üben.

Und doch greift Steyerl Banken an, aber extrem subtil. Eines ihrer Hauptthemen, so erzählte es mir zumindest ein Freund, der mich begleitete, ist wohl die Robotik. Auch zu dieser Installation lieferte sie Motive, auf den Bildschirmen, in Form digitaler Animationen, abgewechselt mit Filmen aus Studios von Roboterforschern, die den Maschinen Bewegungen beizubringen versuchen.

Ich musste unwillkürlich denken: Banker sind Roboter.

Die Analogie funktioniert, aber sichtbar ist sie nicht. Nur die Suggestionskraft. Zweite Form des Widerstands.

Dritte Form: Geschichtsbezug auf undogmatische Weise. Am Ende des großen Raums, im Bild oben im Dunkel liegend, lief noch ein Kurzfilm. Ein kleiner Junge fragt in ihm, ob Roboter in Krisengebieten den Menschen helfen können, ob also die moderne Technik philanthropisch ist. Der Film gibt keine Antwort.

Stattdessen verweist er auf einen arabischen Erfinder des Mittelalter, al-Dschazari. Er verfasste 1205 ein Buch des Wissens von sinnreichen mechanischen Vorrichtungen. Heute kennt ihn kaum noch jemand – und auch der Film weiß nichts mit dem Verweis anzufangen.

So wird Widerstand gegen das Vergessen geleistet, gegen die vanitas des „HellYeahWeFuckDie“, aber die Zukunft völlig offen gelassen. Ein Ausdruck eines sehr differenzierten Geschichts- und eigen-/widerständigen Künstlerbewusstseins, das Steyerl immer wieder vorantreibt:

 

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