Das Amerikanische

Ich wäre ja so gern einfach Europäer.

Wenn ich in den Westen blicke, mache ich eigentlich nie Halt in Frankreich, außer literarisch. Das Französische, wenn es mich denn aufhält und mich bei sich haben will, schweift immer so schön, verziert alles und lässt Denken erleben. Das Französische kennt den Punkt am Satzende nicht so gut.

Anders das Amerikanische. Amerikanisch ist immer Moral und immer sogar „die Moral von der Geschicht‘ „– Amerikanisch ist zu sagen: Punktum – so und nicht anders. „Der ist ein Rassist.“, „Unser Präsident ist ein Idiot.“, „Die Jugend ist schwach.“, „Mehr Arbeit ist immer besser.“.

Amerikanisch ist deshalb auch immer die Dinge einfacher machen, verständliche Vergleiche heranziehen und es ist Dinge festnageln. Sanders wie Martin Luther King wie Trump wie Jack Kerouac wie Hillary.

Ich weiß nicht, ob ich der letzte bin, der das so klar sagt und erkennt: aber Amerikanisch ist, sich frei zu fühlen als Anhänger eines Gurus. Für jede Ansicht findet sich dort immer ein Guru.

Amerikanisch ist man, wenn man frei zu sein glaubt, es aber nicht ist. Denn etwas Anhängendes entwickelt sich nicht von sich selbst aus, aus sich selbst oder gar von sich selbst auch mal weg.

Dabei hat das Englische doch gleich zwei Wörter fürs Freisein. –

*

Freedom: Das was erreicht wird, wenn man sich als frei von etwas versteht, wenn man fühlt, dass man befreit ist.

Liberty: Das wirkliche Maß der Freiheit, das keiner wirklich versteht.

*

Freedom: Sich seine Rechte selbst schaffen, moralisch begründen und gegen andere Meinungen durchsetzen.

Liberty: Der simple Modus, der Freiheit lebt anstatt sie zu definieren.

*

Freedom: Das „Freiheitstum“, das als „-tum“ erstrebenswert ist.

Liberty: Der Wert an sich, das Unveräußerliche.

*

– sollten diese beiden Begriffe nicht unter einem Stern wirken, und dennoch angespannt bleiben können? Nein, offensichtlich nicht.


Amerikanisch ist es seit spätestens Ende 2016, aber vermutlich auch schon vorher, wohl seit Obama, die Entsagung vom Kampf dieser beiden Begriffe zugunsten einer Simplizität, die Freiheit bis zum Ende der Armlänge begreift, aber denkt, transzendental zu argumentieren. Streit um Freiheit ist lebendig, aber amerikanisch zu streiten, geht nicht, ohne den Streit auf eine einzelne Meinung am Schluss herunterzureichen.

Das ist kein
Modus

der Freiheit.

6 Kommentare zu „Das Amerikanische“

  1. Hola!

    Ich bin so gern ein Amerikaner, aber bzg. der Kontinent: Amerika und die gemeinsame Geschichte, Musik und Tradition (Latin-), (Hispano-), (Ibero-) Amerika. Wie man merk, sogar auf Spanisch haben wir das Problem mit ein Wort die komplexität von Kulturen, von Mexiko bis zum Argentinien zu greifen. Am Besten ist „Las Americas“, in Plural.
    Bei der link-orientierte Leute, wir nennen es „La patria grande“, so benutzen wir ein Begrifft die unhabhänging von der Spanien ist und mehr die Zusammenhang von Leute aus Azteken, Inkas, Guaraníes, Mestizos usw ist Für die mehr als 600 Millionen Leute die in 20 Länder unten der Rio Bravo leben.

    Leider die US-Amerikaner, haben so in Anspruch die Name unsere ganze Kontinent genommen.

    Saludos.
    Oscar

    1. Ist das nicht auch ein kooperativer Amerikanismus, also mit Rücksicht auf verschiedene „liberties“, teilweise grundverschiedene Nationen und ihre Ansicht der Freiheit? – Und wie grausam muss es sein, wenn eine Wirtschaftsmacht durch bloße Kapital- und Militärkraft einen für andere identitätsstiftenden Begriff okkupiert…

  2. Mal halblang. Amerikanisch sind auch (meist ältere) Sitcoms, die die meisten deutschen Autorenfilme locker in die Tasche stecken, was bissige Gesellschaftskritik angeht und dabei mehr als eine Sichtweise zulassen. 68, Anti-Vietnam, Punk, occupy, alles amerikanische Gründungen. Und was dogmatische Engstirnigkeit angeht, brauchen wir uns in Deutschland auch nicht zu verstecken.

    1. Interessanterweise begreifen sich diese Bewegungen bzw. die Ideenstifter nicht als amerikanisch über ihre Inhalte, sondern, würde ich meinen, weltbürgerlich – und stehen damit einer europäischen Idee, wie ich sie begreife, deutlich näher.

      1. Da ist was dran, aber kann man das so einteilen? Ist es nicht eher etwas, was wir gerade auch aus Deutschland kennen? Hier gibt es ja auch viele, die sich gegen das „typisch deutsche“ wehren, und viele, die sich als die einzig wahren Deutschen betrachten, beide meinen dasselbe, das Gedöns um Sekundärtugenden u.ä. Scheint mir eher ein Protest gegen Eigenschaften, die schon typisch sind für das jeweilige Land, aber nicht im Sinne von Ausschließlichkeit, sondern von überdurchschnittlicher Häufigkeit und Intensität.

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