Klimaschutz oder: Die selbstgeschaffene Isolation des Donald Trump

Die Entscheidung des US-Präsidenten, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, sollte niemanden kaltlassen – aber sie ist auch kein Todesurteil.

Eigentlich sollte heute (endlich) der dritte Artikel meiner Serie zu Ludwig Wittgenstein und Heidegger erscheinen – mit bereits zwei Tagen Verspätung. Aber so wichtig die Philosophie auch ist: Wenn Ihr die Politik einen Strich durch die Rechnung macht, ist es unverantwortlich, so zu tun, als wäre alles wie vorher.

Der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ist nach dem „Muslim Ban“ die zweite Regierungshandlung unter Trump, die mich dazu bewegt, einen Beitrag zu ihm zu verfassen – die erste war ja auch ein Mit-Anlass zum Start dieses Projekts.

Ich bin ja eigentlich der Meinung, dass die Medienwelt so voll von Trumps Aussagen, seinen „covfefes“ ist, dass ich hier lieber eine Oase habe, die von seinem Namen befreit ist und in der ohne Bezug auf die durch ihn personifizierte politische Ausnahmesituation über Dinge wie politische Kritik, „Lebensphilosophie“, Schönheit und Arbeit nachgedacht werden kann.

Aber sich deshalb nicht zum Klimawandel zu äußern, wäre eine grobe Fahrlässigkeit.

Daher zunächst: Ich bin überzeugt davon, dass der Klimawandel eine ernsthafte Bedrohung ist. Ich bin noch mehr überzeugt davon, dass es leicht wäre, die Gründe dafür – nicht-erneuerbare Energien und Umweltverschmutzung – einzudämmen, ganz gleich ob man nun an steigende Temperaturen „glaubt“ oder nicht (wobei das natürlich eine wissenschaftlich beantwortbare Frage ist).

Damit dürfte auch klar sein, wie armselig ich Trumps Entscheidung finde. Nicht nur, weil er damit seinem eigenen Land schadet, indem er Arbeitsplätze in der Kohleindustrie schaffen will, obwohl sie doch im Bereich der erneuerbaren Energien zu finden sind. Sondern vor allem, weil er sich dadurch erstmals wirklich drastisch isoliert – und zwar innen- wie außenpolitisch.

Der Ausstieg der USA aus dem Abkommen ist eine dramatischere Abschottung als alles, was bisher von Trump und seinem Kabinett geplant und durchgeführt wurde – wirtschaftlich und ethisch schädlicher als die Mauer an der Grenze zu Mexiko und der Einreisestopp zusammen.

Erkennbar ist das schon an den vielen Reaktionen von Regierungschefs diverser Länder. So hat etwa Emmanuel Macron in einem fast schon zu deutlichen Video, das er auch an die Spitze seiner Twitter-Timeline gepinnt hat, Trumps Aktion kritisiert – und zugleich US-Unternehmer, die in Klimaschutztechnologien investieren, nach Frankreich eingeladen.

Ein Ministerpräsident, der Bürger abwirbt, weil er weiß, dass sie mit ihrem derzeitigen Chef unzufrieden sind – wenn das kein Zeichen für zukünftige Innovationsarmut ist.

Ebenfalls deutliche Worte hat Kanadas Ministerpräsident Trudeau gefunden. In einer Pressemitteilung zeigt er sich tief enttäuscht und betont Kanadas Willen zur globalen Zusammenarbeit. Und dass Deutschland Europa vor die USA stellen will, ist schon seit ein paar Tagen deutlich.

Auch in den Staaten selbst regt sich Widerstand. Wie die New York Times berichtet, haben sich schon drei Gouverneure, knapp 30 Städte, über 80 Universitäten und mehr als 100 Unternehmen – darunter auch Apple, über deren Haltung ich hier berichtet habe – entgegen Trumps Entscheidung zum Abkommen von Paris bekannt und fortlaufende Initiativen angekündigt.

Was mir zwei Dinge klarmacht. Erstens: Im Versuch, wie Trump es in seinem Statement formulierte, „Souveränität zu erlangen, […] damit andere führende Politiker nicht mehr über Amerika lachen“, ist das genaue Gegenteil eingetreten, keine 24 Stunden später.

Denn wenn ein derartig lauter, unverfrorener Politiker wie ein Kleinkind durch die Welt krakeelt, was er will und wie er sich dauernd narzisstisch gekränkt fühlt – dann werden sich andere Länder und einflussreiche Teile der USA ihrer Menschlichkeit bewusst. Und das ist eine Chance.

Weshalb ich zweitens auch tatsächlich einmal stolz – nicht nur glücklich – bin, in Deutschland zu leben. Denn in allen Berichten zum Thema wird derzeit dieses Land als Vorreiter in Sachen Klimaschutz genannt.

Das macht mich froh und zuversichtlich.

Weshalb es mir auch leicht fällt, Donald Trump hier ab sofort weiterhin so zu behandeln, als wäre mir nichts auf der Welt so egal wie sein Gesicht.

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