Über 28 Grad

Es wird wärmer und noch mehr verändert sich.

Ich glaube eines: Unser Stil läuft parallel mit dem Thermometer, wir werden müde und die Träume brechen auf, sie zerplatzen und fließen über die Tage; der Kopf ist in gewisser Hinsicht darauf ein Ei, in sich geschlossen, eingekalkt und dann eingeölt in Pfannen liegend, die andere Welt nennen, formbar, aber nichts weiter als es selbst, ein schlechter Vergleich.

Sehnsucht ist bei Wärme keine Kleinigkeit mehr, nichts privates, du musst dich nicht mehr für sie schämen, wenn du sie auf deiner Haut spürst – und die wahren Bücher geben sich zu erkenne in dieser Zeit, die Momente sind (wieder) gekommen für spurenlose Echtheit, tatsächlich Authentisches, Literatur wie die Sprache des Ungesagten zwischen Licht und Haut.

Jedes Jahr greife ich um dieselbe Zeit ins Regal und mir kommt dasselbe entgegen, mit dem ich regelmäßig Dialog halte, wenn Urlaub wirklich Auszeit bedeutet, denn die Strahlen trennen die Welt vom Himmel und die Sterne offenbaren sich durch Kerouac, durch Céline, durch Bolaño, durch einfaches Erzählen ohne künstlichen Sog, sondern echter Erfahrung. Ich habe bei über 28 Grad wieder Teil von etwas, das ich lange verloren glaubte. Die Literatur, als Kokon entpuppt sie sich.

we’ll take the snake out of the woods! we’ll tear the wings off the great bird! we shall live in the iron houses overturned in fields of rage!

(aus: Lonesome Traveler)

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1 Kommentar zu „Über 28 Grad“

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