Landtagswahl NRW: Warum ich links wähle

Heute ist Tag der Arbeit, in zwei Wochen Tag der Landtagswahl hier in NRW. Ich rufe daher heute einmalig auf, wählen zu gehen – und will dazu noch kurz erläutern, welche Partei ich wählen werde und warum.

Seit fünf Jahren bin ich wahlberechtigt. Ich habe in dieser Zeit alles durchlaufen: Bürgermeisterwahl, Landtagswahl, Bundestagswahl. In all diesen Wahlen habe ich links gewählt.

Weil ich mich mit diesem Blogprojekt dazu entschieden habe, öffentlich politisch zu sein, fühle ich mich jetzt auch verpflichtet, zu erklären, wieso ich das getan habe – und am 14. Mai wieder tun werde.

Die Linke ist eigentlich eine ziemlich seltsame Partei. Sie ist neben der AfD vielleicht die verpönteste in Westdeutschland (die FDP ist hier aus dem Bashing-Tief heraus und könnte wieder mit über zehn Prozent in den Landtag einziehen) und, für mich zumindest, die gefühlt am zerstrittenste.

Andere wiederum würden bestimmt sagen, sie sei die ehrlichste, weil offen pluralistisch, – mit LGBT-Gruppen, der Antifa, verschiedenen Jugendbündnissen und Auslegern in Richtung MLPD, sozialistischen Gruppen, alles in einem Paket. Das ist auch die Ansicht, zu der ich tendiere

Aber sie ist für mich nicht ausschlaggebend bei der Entscheidung, der Partei meine Stimmung zu geben.

Ich wähle eine Partei nicht basierend auf ihrer Medienwirksamkeit oder ihrer Einzelpersonen. Ich wähle sie – und das bitte nicht sofort falsch verstehen – aber auch nicht, weil ich Realisierungen ihres Wahlprogramms durchgesetzt sehen will.

Warum dann?

Das hat etwas mit einer ziemlich idealistischen, pathetischen Vorstellung von Politik meinerseits zu tun. Einer Vorstellung, die folgendes besagt: Bei einer Wahl stehen nicht realpolitische Forderungen im Vordergrund, sondern ein allgemeiner Wunsch von der Richtung, in die eine Gesellschaft tendieren sollte. Und ich kann eben meinen eigenen Wunsch von einem besseren Zustand dieser Welt am ehesten mit dem vereinbaren, den die Linke vermittelt.

Es ist der Wunsch vom Ende aller Kriege, von gleicher Behandlung aller Menschen, von wirtschaftlicher Gleichberechtigung und umfassenderen Bildungschancen.

Die Frage, ob diese Partei realpolitisch in der Lage ist, diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen, steht bei meinem Akt der Wahl nicht zur Debatte.

Das mag weltfremd klingen, ist aber mein Verständnis von Politik. Bei der Wahl, die einmal alle vier Jahre stattfindet, wähle ich eine Utopie, von der ich mir wünsche, dass die richtigen Menschen sie für mich woanders vertreten. Den Rest des Jahres versuche ich, in meinem eigenen Alltag, mit meinen Möglichkeiten, selbst, diese Utopie voranzutreiben, so wie ich das für richtig halte.

Währenddessen muss ich so oder so darauf vertrauen, dass diejenigen, die ich gewählt habe, dasselbe tun. Ich kann sie nicht ständig im Blick haben. Politik ist eine Beziehung auf Vertrauensbasis zwischen Wähler und Gewählten.

Ich kann nur versuchen, oft genug mich mit ihnen zu befassen und so durch ihre Taten zu schauen, sie zu beurteilen. Ich muss es sogar tun: Denn nach der einen und vor der nächsten Wahl ist die Kritik mein einziges Instrument, den Wunsch, den ich mit meiner Wahl ausgedrückt habe, nicht von denen korrumpieren zu lassen, die ich als seine Vertreter ausgewählt habe, während ich versuche, ihn eigenständig zu realisieren.

2 Kommentare zu „Landtagswahl NRW: Warum ich links wähle“

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