Politische Geschichte in Bruchstücken #2: Die Zimmerwalder Konferenz

In der gestern besprochenen Gramsci-Biografie von Giuseppe Fiori bin ich auf ein weiteres ziemlich bedeutendes Geschichtsereignis gestoßen, das mir bis dato völlig unbekannt war: Die Zimmerwalder Konferenz.

Um erneut zu bekennen, in welchen Bereichen ich politisch völlig ungebildet bin, soll es heute in der zweiten Folge von „Politische Geschichte in Bruchstücken“ – am 80. Todestag Antonio Gramscis, an den Ingo Pohn-Lauggas hier erinnert – zum Abschluss der zweiten Etappe meines Leseprojekts über dieses historische Ereignis für die Geschichte sowohl des Kommunismus als auch der Sozialdemokratie gehen.

Die Rahmeninformationen steckt der umfangreiche Wikipedia-Artikel zum Thema schon gut ab:

Die Konferenz von Zimmerwald fand während des Ersten Weltkrieges vom 5. bis 8. September 1915 im schweizerischen Ort Zimmerwald in der Nähe von Bern im Hotel «Beau Séjour» statt. Die Konferenz wurde vom Schweizer Sozialdemokraten Robert Grimm mit dem Ziel organisiert, die Sozialistische Internationale neu zu organisieren.

38 Teilnehmende gab es: aus Frankreich, Deutschland, Italien, Russland, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz, Bulgarien, Rumänien und dem damals zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Russischen Reich aufgeteilten Polen – diese Webseite zum Thema listet sie auf.

Die bekanntesten von ihnen war Lenin und Trotzki. Sie zeigen sich auch verantwortlich für das wirkungsmächtigste schriftliche Ergebnis des Treffens, das Zimmerwalder Manifest.

Es handelt sich dabei um ein flammendes Anti-Krieg-Schriftstück, das mit der klassischen marx’schen Klausel „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ schließt. Damit ist aber, anders als im Kommunistischen Manifest eine Vereinigung gemeint, die sich nicht nur gegen Klassenunterdrückung, sondern auch ein ganz klar definiertes Faktum der Zeit stellt – den Krieg:

Kulturelle Verödung, wirtschaftlicher Niedergang, politische Reaktion – das sind die Segnungen dieses gräuelvollen Völkerringens.

So enthüllt der Krieg die nackte Gestalt des modernen Kapitalismus, der nicht nur mit den Interessen der Arbeitermassen, nicht nur mit den Bedürfnissen der geschichtlichen Entwicklung, sondern mit den elementaren Bedingungen der menschlichen Gemeinschaft unvereinbar geworden ist.

Ein Krieg, der aber natürlich auch mit der Hilfe des moderne Finanzkapitals entfesselt wurde, etwa die Rüstungsindustrie – und dessen desaströsen Folgen bereits 1915 (also noch vor Verdun) sichtbar waren.

Die Auflösung des Problems Weltkrieg ist – wie sollte es bei den Unterzeichnenden anders sein – der Sozialismus.

Einer, der bereits als ein „heiliger“ bezeichnet wird, zu einem unbedingten Glauben stilisiert wird. Mit einem historischen Schicksal inklusive:

Niemals in der Weltgeschichte gab es eine dringendere, eine höhere, eine erhabenere Aufgabe, deren Erfüllung unser gemeinsames Werk sein soll. Kein Opfer zu groß, keine Last zu schwer, um dieses Ziel: den Frieden unter den Völkern zu erreichen.

Was mich an dieser schicksalhaften Weltgeschichte aber neben den ganzen klassenkämpferischen Position eigentlich am meisten beeindruckt und selbst über 100 Jahre später auch noch für die Aussagen des Manifests kämpfen lassen will, ist das internationale Allgemeinziel des Friedens: Nicht immer in radikal linker Politik steht dies an oberster Stelle, selbst vor der eigenen politischen Utopie und kommunistischen Ideologie.

Das Zimmerwalder Manifest ist ein sehr lesenwerter Text.

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