KOYOTE: Interview mit den Macherinnen eines neuen Online-Magazins

KOYOTE ist ein neues, multimediales Online-Magazin, das sich ästhetisch und wissenschaftlich mit dem so aktuellen Thema und Begriff der Flucht auseinandersetzt. Es wurde im Rahmen des Masterstudiengangs Medienkulturanalyse an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt und versammelt Texte, Collagen, Musikplaylisten und vieles mehr, um eine vielfältige Diskussion abzubilden und zugleich anzuregen.

Ich habe mich mit den vier Studentinnen hinter dem Projekt – Sophia, Nine, Nele und Katharina – unterhalten, um mehr über die Zeitschrift und ihr Konzept zu erfahren.

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1. Ihr geht im Jahr 2017 mit einer neuen Zeitschrift an die Öffentlichkeit, mit einem Online-Magazin. Wieso gerade jetzt – gibt es nicht genug Magazine, Foren, Zeitschriften und somit Diskussionsentwürfe? Wollt Ihr eine weitere, eigene Debatte aufwerfen oder an einen größeren Zusammenhang anschließen?

Sophia: Das Bild von Fluchtlinien ist auf den ersten Blick abstrakt, doch in seiner Umsetzung bleibt es nicht akademisch. Wir wollen mit KOYOTE neue Perspektive von „Flucht“ entwerfen, in dem wir dem deleuzianischen Konzept von Fluchtlinien folgend ins Neue gehen. Fluchtlinien bedeuten eine Öffnung, vielleicht auch ein Durchbrechen von vermeintlich gesetzten Prinzipien.

Nine: Gerade in einer Zeit – und unser Magazin und sein Themenschwerpunkt sind ja schon vor knapp zwei Jahren entstanden – in der laut nach Mauern gerufen wird, kann es meiner Meinung nach nicht genug Stimmen geben, die anderes sagen. Ich freue mich über jedes Magazin, jedes Forum und jede Stimme die gerade laut wird und mich zum nachdenken oder umdenken bringt. Und ich will daran arbeiten, diesen (vielfältigen!) Stimmen eine Plattform zu geben, wie sie KOYOTE ja sein soll. Im Grunde ist das kein Entweder/Oder: Das Gesamtbild aus künstlerisch/wissenschaftlichen Beiträgen wirft natürlich eigene Debatten auf – aber ist natürlich keinesfalls von anderen Debatten und einem gesamtgesellschaftlichen Kontext loszulösen.

Nele: Für mich persönlich macht es keinen großen Unterschied, ob es aktuell sehr viele oder zu viele Magazine gibt, da KOYOTE zunächst keinen gewinnorientierten Hintergrund hat. Das Schöne ist ja eigentlich, dass das Magazin aus einem Uniprojekt entstanden ist. Mittlerweile konnten wir so lange damit schwanger gehen, dass KOYOTE eher ein Teil von unserem Leben als ein Abschluss ist. Das Ganze ist eher eine Plattform und ein Ort zum Weiterdenken. Allein wie manche Texte sich in einjähriger Unberührtheit weiterentwickelt haben, spricht für das Format an sich: Menschen können Gefühle oder Gedanken äußern oder sich das erste Mal trauen, so etwas zu machen. Nach dieser Zeit wird vor allem deutlich, wie relevant ein jeder ausgedrückter Gedanke ist – egal wie viele schon etwas Ähnliches gesagt haben mögen.

Katharina: Sowohl als auch: an die Debatte anschließen und Eigenes aufbringen. Klar gibt es genügend Magazine, allein das kann kein Argument sein, keines zu machen. Anlass war uns zunächst das Curriculum unseres Studiengangs und das Anliegen, über die Grenzen des Studiums hinaus wirken zu wollen, in die „Realität“, sogesagt. Mit unserem Magazin senden wir Signale aus den Mauern des Elfenbeinturms HHU heraus, perforieren ihn und machen ihn durchlässig; zugänglich für Intervention. Letztendlich kann es nicht darum gehen, blind den Scheinen hinterher zu jagen, nur um den Kains-Stempel „Akademiker“ auf der Stirn/im CV stehen zu haben. Das kann nur auf die eigenen Kosten und die anderer gehen. Leider ist das im Studienalltag aber oftmals Usus. Die Attestation darüber, etwas zu wissen nutzt gar nichts, wenn man das Wissen nicht auch praktisch anwenden kann. Der Verschiebung des Fokus vom eigentlichen Sujet, hin zum Rechnen und Feilschen um Creditpoints, stehen wir kritisch gegenüber. Deswegen wollen wir uns darauf besinnen, worum es beim Studium eigentlich gehen sollte: die Bildung des Menschen. Und diese ist nicht nur auf den Bereich der Universität beschränkt, sondern geschieht im Alltag und Verlauf des Lebens, auf die unterschiedlichsten Weisen. Deswegen ist es wichtig, die diversen (Wissens-)Kosmologien in Relation und sogar Konkurrenz zueinander zu setzen. Realität ist das, was gelebt/erlebt wird. Das betrifft Reinigungsfachpersonal genauso wie Professoren. Eine Hierarchisierung oder der Alleinanspruch auf Wissen trennen auf unnatürliche Weise die unterschiedlichen und ja doch gleichzeitig gemeinsam stattfindenden Seinsweisen, die unsere Welt ausmachen und sprechen ihnen durch Kategorisierungen einen Bedeutungswert zu, der aber nicht maßgeblich sein muss, wenn es darum gehen soll, menschliches Vermögen einzuschätzen oder zu aktivieren. Leider sind Hierarchien heutzutage aber noch maßgeblich dafür, welche Rolle man in der Gesellschaft einnehmen kann. Das sehen wir anders und glauben, dass (unter anderem) das Bildungssystem verbesserungswürdig ist. Differenz anzuerkennen und aus ihrem übervollen Potenzial zu schöpfen, ohne dass es auf gesellschaftlich vordefinierte Weise geschehen muss, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist traurig, wenn die Verwirklichung des Selbst und der eigenen Talente an eigentlich obsolet gewordenen Maßregelungen scheitert, ohne Sinn und Verstand. Vergessen wird jedoch oft, dass die Spieler das Spiel auch mitgestalten können und wir die Regeln immer noch selbst aufstellen. Wir sind verantwortlich für unser Tun. Es ist eine Ausrede die eigene Handlungsfähigkeit rein abhängig von gesellschaftlichen Normen zu machen. Natürlich sind wir apriori abhängig von gesellschaftlichen Strukturen, beziehen uns immer auf eine vorstrukturierende Vergangenheit. In der Gegenwart tragen wir aber aufgrund unserer unausweichlichen Handlungsfähigkeit jederzeit die Verantwortung, das Wissen um diese Gegebenheiten so zu nutzen, so zu kontextualisieren, dass es der Zukunft zuträglich ist. Das gegenwärtige Handeln wird wieder Grundlage für Zukünftiges sein. Dieses autopoetische, beinahe utopische Moment stellt uns vor die Herausforderung und Fragestellung: Was für eine Zukunft ist möglich? Die Fehler der Vergangenheit sind dabei bedeutsame Faktoren, die helfen können, den Weg und das Ziel zu rejustieren.Das lebenslange Unterfangen der Bildung kann nicht nur die stupide Repetition/Reproduktion von vermeintlich Unumstößlichem bedeuten. Es sollte auch Freiraum vorhanden sein, damit Erfahrungen prozessiert und wirklich verstanden werden können. Das betrifft Lehrinstitutionen und den Raum des sogenannten mündigen Bürgers gleichermaßen. Die Autorität muss in Frage gestellt werden, möchte sie – im demokratischen Sinne – auch als solche gelten. Oder mit anderen Worten: (Wissens-)Autorität muss sich selbst beweisen. Die Prüfung allerdings, obliegt dem verantwortlichen Menschen. Und das sind wir. In der Uni und überall auf der Welt.

2. Die Zeitschrift ist in Studentenkreisen entstanden. Inwiefern spielt der Drang eine Rolle, über dieses begrenzte Milieu hinaus zu wirken? Ist KOYOTE ein Langzeitprojekt?

Nine: Ja! Sofern es Zeit und Kraft erlauben, wollen wir das Rudel stetig vergrößern und das Mosaik, das sich auf dieser Seite herausbildet, erweitern. Dass wir uns in einem ziemlich begrenzten Milieu bewegen, sowohl was Leserschaft als auch die Beitragenden angeht, ist und war auf jeden Fall Thema – eine Baustelle an der wir definitiv noch arbeiten müssen, um inklusiver und vielstimmiger zu werden, statt auf der (studentischen) Stelle zu treten.

Nele: Es ist natürlich schwierig, erstmal aus der Blase zu kommen und überhaupt über sie hinaus zu denken. Aber genau das liegt uns sehr am Herzen. Unser Rudel darf und soll gerne noch weiter wachsen. Das heißt, wer auch immer auf unsere Seite stößt, kann gerne etwas beitragen. Die Online-Präsenz ermöglicht es uns natürlich, hier wirklich offen für jede Person zu sein, die sich interessiert oder angesprochen fühlt. Die Beiträge waren bisher hauptsächlich textbasiert – ich persönlich freue mich zum Beispiel auf noch mehr Illustrationen oder anderes Out-of-the-box-Denken.

Katharina: Mit den Beiträgen unterschiedlichster Form haben wir bereits ein spannendes Feedback erhalten. Wir hoffen aber natürlich, dass das Magazin generell Anlass dazu bietet, die vermeintlich so starren Grenzen der Institutionen aufzulösen, in Frage zu stellen und selbst zu überlegen: Auf welche Signale horche ich? Was sende ich selbst aus? Was ist wichtig? Welche Konsequenzen ergeben sich? Ganz basal sind all dies Fragen, die sich aus der Ur-Frage schlechthin ableiten: Was ist der Mensch, was kann der Mensch in und mit seiner Lebensunmittelbarkeit sein? Diesen hoch abstrakten und philosophischen Fragestellungen nähern wir uns über das Magazin, indem wir die Theorie mit der Praxis vereinen. Dabei spielen beide Pole – Theorie und Praxis – unersetzliche Rollen, die sich in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und im Prozess entwickeln und offenbaren. Deswegen ist das Magazin ein Ansatz zwischen Rezeption und Produktion von Realität, ein Versuch, in Kontakt zu treten.

3. Das Thema des Magazins ist bislang die Flucht und ihre (Wander-)Linien. Nun gehört zu jeder Flucht auch ein Fluchtpunkt – damit nicht nur vor etwas geflohen wird, sondern auch zu etwas hin. Was ist Euer Fluchtpunkt?

Sophia: Fluchtpunkte und -linien stehen für eine Vielzahl an Prozessen, die das Alltägliche in seiner Fülle bietet. Für mich ist es ein „Hineinstürzen“ in ein Geflecht von Möglichkeiten, in denen sich wissenschaftlich-künstlerisches Denken und Handeln ergibt. Das sind für mich Bücher von Murakami, Serien über Ärzt_innen oder das Vertiefen in meine eigenen Fantasiebilder. Das Schöne daran ist, dass mich stets neue Linien abholen und mich ein Stück des Weges begleiten.

Nine: In meinem Beitrag STILL HALTEN habe ich versucht, die festgefahrene Struktur, die wir mitdenken, wenn wir das Wort „Flucht“ benutzen, aufzubrechen. Wir denken immer „Wovor?“ oder „Wohin?“, dabei ist Fliehen gerade das, was sich nicht auf einen Punkt festsetzen lässt, eine unkontrollierte Bewegung ohne festgesetzten Namen – das Wovor/Wohin sind dann nur nachträgliche Kategorien. Ich spreche lieber von Fluchtwegen: in Musik, im eigenen Körper, in Hinausweisendem, im Alltag.

Nele: DEN großen Koyoten-Fluchtpunkt gibt es glaube ich nicht so wirklich. Es ist eher so ein Knäuel, das sich aus unseren verschiedenen Vorstellungen davon verknüpft. Mein persönlicher Fluchtpunkt ist tatsächlich immer ganz simpel das Ende. Man sagt mir einen dezenten Hang zum Fatalismus nach. Das ist oft ziemlich anstrengend, weil ich gerne einfach mal so richtig an die Zukunft glauben würde. Stattdessen finde ich alles was so abgeht grundsätzlich erstmal fraglich. Letztlich ergibt sich daraus aber immer wieder die große Anpreisung des „Jetzt“ und „dieses Moments“ und darin lässt sich ganz gut schwelgen.

Katharina: Unser Fluchtpunkt ist ein bewegliches Ziel. Im Sinne eines Fixsterns, der uns zur Navigation dient, avisieren wir im Grunde eine Debatte, bei der wir selbst nicht genau wissen, wohin sie uns führt. Die grobe Richtung kennen wir. Was uns am Wegesrand alles so blüht, können wir nicht wissen, sondern müssen und wollen wir entdecken. Grundsätzlich glauben wir, dass Bildung der Schlüssel zur Emanzipation ist. Wir glauben an Menschen, die mutig und dazu bereit sind, auf Grundlage des Gewesenen, dem Blick der Zukunft entgegengewandt, in der Gegenwart Veränderungen zu bewirken, die erst noch zeigen müssen, zu was der Mensch in der Lage ist. Wir geben die Hoffnung nicht auf, wir setzen alles daran zu beweisen, dass nicht nur Kriege, Krisen, Umweltzerstörung und Gewalt signifikant für den Menschen sind. Auch wenn wir nicht wissen können, was in einigen hundert Jahren sein wird: Da es uns nicht möglich ist, nicht zu handeln, werfen wir unseren Teil in die Waagschale und hoffen auf die bestmögliche Beeinflussung des Gesamtgefüges. Dazu haben wir heute, wie nie zuvor, die Chance. Der Ausgang ist, wie seit jeher, ungewiss, wir sind aber dennoch guten Mutes und Willens. Was auch immer dieser vielbeschriebene „freie Wille“ auch sein mag. Geht der Kapitän zu früh von Bord, wird er nämlich auch niemals erfahren, ob der Sturm nicht doch überstehbar gewesen wäre.

4. Viele verschiedene Studenten leisten multimediale Beiträge zu Eurem Magazin? Was für eine Art Plattform versucht Ihr, für sie zu sein?

Sophia: Die eingesendeten Beiträge bestimmen die Ausrichtung des Magazins. Es ist also unmöglich, im Vorhinein genau zu bestimmen, wie das Magazin schließlich aussieht.
Doch das ist genau das, was auch für uns bis zum Schluss spannend ist. Wir lassen uns von den eingesendeten Beiträgen inspirieren, um sie dann miteinander in Verbindung zu setzen und sie anzuordnen, was nicht bedeutet, dass es eine „letzte“ Ordnung gibt.

Nine: Das Magazin war ja eigentlich als Printausgabe geplant, gerade weil wir den inhaltlichen Fluchtlinien etwas Handfestes entgegensetzen wollten. Widrige Umstände haben dann dazu geführt, dass wir das zunächst nicht machen konnten. Aber je länger das Magazin online ist, desto besser gefällt es mir. Es bleibt lebendig und bietet mehr Platz für Spielereien im multimedialen Bereich. Viele Beiträge, wie Bildserien, Hörempfehlungen und Playlists sind hier besser aufgehoben. Aber da ist noch viel Luft nach oben! Ich wünsche mir, dass sich auch in Zukunft Leute trauen, mit uns ihre Ideen, Texte, Gedanken und Projekte zu teilen. Gerade weil wir selbst ein studentisches, immer unfertiges Projekt sind, können wir eine besonders spielerische und offene Plattform bieten, im Gegensatz zu etablierten Magazinen und Medien. Wer Lust hat diese Plattform mitzugestalten, soll nicht zögern uns zu schreiben!

Nele: Onlineformate bieten viel Spielraum und sind gleichzeitig eine große Herausforderung. Man muss sich erst trauen, über das Zweidimensionale hinauszudenken und sich etwas neues einfallen zu lassen. Wenn jemand etwas in eine solche Richtung machen würde, würde ich mich total freuen. Ich denke eine Online-Präsenz zieht zwar klassische Formate an, regt aber auch dazu an, über sie hinauszudenken. KOYOTE soll daher als ein Ort funktionieren, durch den ein Nachdenken weiterläuft. An dem Sachen „einfach“ dahingestellt werden können und dann in Kontakt mit anderen Themen und Gedanken treten oder aber ganz eindeutige Arbeiten plötzlich in eine unerwartete Richtung laufen.

Katharina: Der Gedanke hinter unserem Call for Contribution war es, seine Mittel zum Ausdruck – seine „Waffen“ – frei wählen zu können, wenn es darum gehen soll, flexibel und den eigenen Anlagen entsprechend auf Ereignisse, Fragen und Problematiken unseres Alltags und unserer Welt zu reagieren. Unterschiedliche Kommunikationsformen und Mittel in Beziehung zueinander zu setzen, schien für uns ein geeigneter Weg, um möglichst mehrdimensionale Perspektiven zu bestimmten thematischen Komplexen zu entwickeln. Die Plattform entspricht der eines Knotenpunktes für den Anschluss an unsere heutige, oftmals uneindeutige, in jedem Fall aber hyperkomplexe Welt.

5.Gibt es eine politische Motivation hinter Eurem Projekt?

Sophia: Das KOYOTE-Magazin ist kein kommerzielles Projekt, denn es entspringt unserem Bedürfnis, emanzipiert zu arbeiten und einer großen Bandbreite an Menschen zugänglich zu sein. Eine entsprechende Ausweitung wäre etwa in einer englischen Ausgabe denkbar.

Jeder Mensch flüchtet sich, warum dürfen das einige und „die anderen“ nicht? FLUCHT macht Angst, Geflüchtete machen Angst, aber nur dann, wenn wir es nicht zulassen, im anderen auch uns selbst zu erkennen.

Nine: Der aktuelle Themenschwerpunkt ist sicherlich aus einem Unbehagen gegenüber gesellschaftlichen und politischen Zuständen entstanden. Es geht aber mit KOYOTE nicht darum eine bestimmte Seite zu bedienen, vielmehr darum zu sagen: Flucht, das ist etwas über das alle reden, jeder scheint zu wissen, worum es geht und wen es betrifft – und das stimmt so überhaupt nicht. Welche anderen, neuen, weniger festgefahrenen Perspektiven eröffnen sich, wenn wir den Begriff aufbrechen und mal abseits von Schlagzeilen, Politik und humanitären Katastrophen betrachten? Natürlich lassen sich auch politische Motivationen benennen. Im besten Fall leistet KOYOTE einen Beitrag gegen Ressentiments, Rassismus, Exklusion und Angstpolitik und für mehr Gutmenschentum. Man wächst eben auch mit seinen Aufgaben!

Nele: KOYOTE ist ein Versuch und Entwurf, die Welt und die Dinge nicht starr zu betrachten, sondern neue Blickwinkel einzunehmen oder einzugreifen und aktiv etwas an Konstellationen zu verändern. Und dieser Ansatz allein ist natürlich schon ein Politikum.

Katharina: Jede Handlung ist per se politisch. Interessant ist für uns, welche Ideen und Vorstellungen dem Handeln zugrunde liegen und somit als sinnvoll und erstrebenswert – als lebbar – erscheinen. Natürlich fragen wir uns nach unserem Handeln, unserer Verantwortung angesichts der vielen Problematiken und Krisen auf dieser Welt. Das berührt sowohl die berufliche Sphäre, die uns als junge Wissenschaftlerinnen betrifft, aber auch das Privateste: uns als interessierte Menschen und Mitbewohner auf dem Planeten Erde, unter vielen anderen und anderem. Das Wissen um die Welt stellt einen entscheidenden Angelpunkt dar, da sich aus ihm unsere Ziele und entsprechend unsere Handlungsfähigkeit ableiten lassen. Wir haben uns gefragt, wie es gelingen kann, das Wissen um die Welt, welches wir anhand unserer Erfahrungen mit der sogenannten Realität generieren, in unsere je spezifische Kosmologie des Wissens einzuordnen, ohne dabei blindlings überholte und unreflektierte Vorstellungen von Realität zu reproduzieren. Uns ist es daran gelegen, Prozesse in Gang setzen, die auf das Neue ausgerichtet sind. Das bedeutet Experimente zu wagen, die über anachronistische, dichotome Modelle wie richtig/falsch, gut/schlecht, schwarz/weiss hinaus gehen und sich gerade auf das Unbekannte, Fremde und (noch) Unangeeignete ausrichten. Auf diese Weise können neue Verbindungen und Relationen eingegangen werden, die unser Bild von der Welt erweitern und ergänzen. Dieser Prozess ist niemals abgeschlossen sondern ein beständiges Unterfangen. Der Perspektivwechsel, der dabei unwillkürlich geschehen muss, birgt die Möglichkeit, verifizierte Wissenssysteme in Bezug und Konkurrenz zueinander setzen zu können, auf dass sie sich gegenseitig korrigieren, befruchten und entwickeln mögen.


Alle veröffentlichten Texte des Magazins KOYOTE finden sich auf der Webseite des Magazins. Interessierte Autoren, Zeichner, Dichter und andere Künstler können sich hier mit eigenen Beiträgen für eine Veröffentlichung bewerben.

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