Fassaden

Was tun, wenn man schlicht und einfach merkt, dass man sich selbst überhaupt nicht trifft in dem, was man schreibt? Wenn man merkt, wie sehr das eigene Leben eine Fassade ist, weil es nicht anders geht. Weil die Sprache und die Umstände es nicht zulassen.

Ich habe mich mit einer eigentlich zentralen Eigenschaft dieses Projekts bislang noch nicht richtig auseinandergesetzt: der Tatsache, dass dies ein Weblog auch im Sinne eines Tagebuchs ist.

Auf die bisherigen Artikel zurückblicken kann ich aber sagen: Es ist dennoch eines. Nur ist es nicht eines, das aus einer bestimmten Planung entstanden ist. Es bildet meinen Gefühlszustand der letzten Wochen ab, allerdings immer nur im Hinblick auf einen Aspekt jedes Tages. Es ist kein komponiertes Panorama, sondern ein Sammelsurium.

Denn natürlich habe ich aber noch vieles mehr machen müssen, erleben dürfen, durchstehen sollen jeden Tag als das, was schlussendlich hier steht. Es ist immer etwas hinter der Fassade.

Diese Tatsache droht oft, mich zu demoralisieren. Ich kann es nicht ertragen, zu denken, dass ich meine Ideen, meine Inspiration, meinen Kraftaufwand für einen Platz in der Welt nicht richtig darstellen kann. Dass mich fehlende Zeit, Krankheit (wie jetzt) und damit einhergehende Erschöpfung dazu nötigen, platte Sätze, Klischees, einfache Merksätze zu schreiben. Ich will tiefer gehen, aber so oft fehlt die Kraft dazu.

Wenn diese Tatsache, das Wissen um die Fassaden des Lebens, der Sprache, der öffentlichen Existenz immer größer werden, muss man einen Strohhalm hoch- und sich daran festhalten. Dieser Strohhalm heißt „Weiter machen“.

Auch das wird vorübergehen.

Leben, Krankheit, Müdigkeit, Inspiration, Erschöpfung. Alles fließt. Nichts behält den Zustand, der einen gerade darunter leiden lässt. Das gilt für jeden Einzelnen und das gilt auch für die Politik.


Weiß-Projekt, Statement 4: Ich bin für eine bundesweite Rot-Rot-Grüne Koalition im Herbst. Ich will eine linke Debatte innerhalb der Regierung und eine ihrer Verantwortung bewusste CDU in einer machtvollen Opposition. Wenn die Linke sich dann nicht kompromissbereit und zeitgleich immer für eigene Ideals kämpferisch zeigt, werde ich sehr enttäuscht sein.

2 Kommentare zu „Fassaden“

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