Wie Videojournalismus nicht geht

Ich habe die New York Times oft gelobt – jetzt muss ich sie auch mal kritisieren.

Denn ich habe etwas entdeckt, in dem die Times einfach nicht gut ist: Videojournalismus.

Eindrucksvoll zu sehen an dem vor dem Besuch Angela Merkels vor einer Woche in Washington zusammengestellten Clip über ihre Politik und Einstellungen gegenüber den Staaten:

Ich bin der Ansicht: Hier stimmt einfach hinten und vorne nichts, angefangen mit der Behauptung Merkel, die seit 12 Jahren Kanzlerin und ihr halbes Leben aktives Mitglied ihrer Partei ist, wäre wie Trump spät und ohne vorherigen Hintergrund in die Politik gegangen.

Als müsste ein politischer Mensch für seine Parteiarbeit eine passende Vita seit dem Schulabschluss vorlegen. Wisst Ihr, wie sich unterrepräsentiert fühlende Schichten so eine Einstellung nennen, die meint, nur Rechtsanwälte und Politikstudenten könnten staatstragend sein? Elitär.

Es erschreckt mich, zu sehen, wie unbeholfen die New York Times diese elitäre Tendenz in ihren Video-Beiträgen offenbart. Kein Wunder, dass sie kaum geklickt werden.

Denn es fehlt ihnen an einer Essenz, die jeder geschriebene Artikel durch redaktionelle Richtlinien, egal ob in der Online- oder der gedruckten Version der Zeitung hat: Eloquenz. Die videojournalistischen Beiträge der Times haben keine eloquente Sprache. Im Prinzip wissen sie noch nicht einmal, dass auch Videos eine Sprache haben.

Wären sie eloquent, wären sie in der Lage, auch in kurzen Beiträgen differenziert zu berichten. Doch da die Videos keine flüssigen Narrative und treibende Stimmen beinhalten, deformieren sie die Einflussmöglichkeiten, die gut geschnittene Videos haben, und lassen Politik versteifen und auf die denkbar schlimmste Art altbacken erscheinen. In den Video-Beiträgen ist die Times viel konservativer als in jedem schriftlichen. Ich werde sie nicht mehr gucken.


Weiß-Projekt, Statement 3: Neurechte Theoretiker schreiben oft über den Verlust der Männlichkeit – und huldigen sogar Islamisten dafür. Ich für meinen Teil wüsste nicht mal, was das sein soll, "Männlichkeit". Gerade der Mann, dem wichtig ist, dass andere ihn einen Mann nennen, ist ein Schwächling und verfehlt jegliche eigene Identität zugunsten eines schwammigen Begriff von zweifelhaften Autoritäten: Demagogen, unzusammenhängenden Traditionen, unterdrückenden Erziehungsmethoden. Ich will lieber lernen, wer ich selbst bin und sensibel dafür sein, in welches Umfeld ich damit passe – und die unpassenderen Umgebungen im Gegenteil bestenfalls auch bestärken. Denn alle haben ein Recht darauf, männlich oder nicht zu sein. Das einzige, was sie alle haben sollten, ist Respekt für den Anderen.

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