Zur politischen Form der Literaturkritik

Rainer Moritz hat ein wenig über das Selbstbild des Literaturkritikers nachgedacht. Daran wollte ich mir ein Beispiel nehmen und habe das auch getan.

In den letzten Tagen und auch in der nahen Zukunft werden auf dieser Webseite verstärkt Artikel zu Büchern zu lesen sein. Sehr passend, dass ich vor ein paar Tagen auf einen längeren Artikel von Rainer Moritz, Literaturkritiker und Chef des Literaturhaus Hamburg, für die NZZ gestoßen bin.

Sein Urteil über die öffentliche Wirkung des Literaturkritikers fällt vernichtend aus: Er werde einfach nicht gelesen.

Es ist ein Elend: Zu Lebzeiten ungelesen – und danach erst recht.

Ich würde sagen, ganz frech und die heitere Ironie des Artikels gekonnt übergehend: Damit hat er einfach Unrecht. Der Literaturkritiker wird gelesen, wenn auch nicht viel.

Dafür trifft eine andere Erkenntnis des Artikels auch vollkommen zu:

Es gehört unabdingbar zum Selbstbild und Selbstverständnis des Literaturkritikers, sich mit seinen tiefschürfenden Analysen als einsamer heroischer Rufer in der Wüste zu fühlen.

Wir wollen nämlich nicht einfach gelesen werden, sondern aus einem bestimmten Grund: Weil wir Helden für die Literatur sein wollen. Und, natürlich, dafür geliebt. Für unsere Arbeit zugunsten eines anderen Menschen Werks – denn sie hilft diesen immer, mehr Aufsehen zu erregen, mehr Öffentlichkeit zu erhalten. Das berühmte Stück vom Kuchen will der Kritiker dann doch wenigstens auch abhaben.

Es wäre der Gipfel der unreflektierten Eitelkeit, dies nicht zu betonen. Ich schaue oft genug auf die Leserstatistiken dieser Seite. Und muss auch sagen, dass die Texte über Bücher keine Kassenschlager sind. Aber anstatt weniger davon zu machen – und mehr über Themen wie Pulse of Europe zu schreiben – werde ich noch mehr auf sie setzen.

Denn dann wird der Literaturkritiker nämlich zum politischen Akteur: Wenn er es trotzdem macht. Und sich dabei abrackert, fast quält…

Ich […] quäle mich gern, will nicht glauben, dass alle meine Anstrengungen vergeblich sind.

Ich auch. Denn der Kulturbetrieb ist ein Kampf – nicht in erster Linie ein Kulturkampf gegen ideologisch anders gelagerte Fronten, sondern auf einer davor liegenden Ebene bereits ein Kampf mit sich selbst.

Worum dabei gerungen wird? Um Selbstachtung. Und Rechtfertigung.

Wir machen das tatsächlich alle (auch), um morgens mit unserem Lebensstil noch in den Spiegel schauen zu können.


Weiß-Projekt, Statement 2: Homosexualität ist für mich als Heterosexuellen nicht selbstverständlich, aber mindestens genauso normal wie Heterosexualität oder Transsexualität. Jeder hat das Recht auf Heirat und uneingeschränkte Liebe. Das ist außerdem auch Privatsache und Politik sollte nur die damit verbundene Privatsphäre gewährleisten. Jeder der Homosexualität ausnutzt und diffamiert, um seine eigene Position zu bestärken, handelt ungerecht und unreflektiert. 

1 Kommentar zu „Zur politischen Form der Literaturkritik“

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