Politische Geschichte in Bruchstücken #1: Putin im Bundestag (2001)

Manchmal bilde ich mir ein, nicht nur politisch wachsam zu sein, sondern auch beurteilen zu können, wie bestimmte Situationen in der Welt entstanden sind. Wie etwas so gekommen ist, wie es ist – und was deshalb zu tun ist.

Und dann werde ich wieder einmal eines besseren belehrt. So gestern mit einem Artikel der New York Times über Angela Merkel und Vladimir Putin.

Ich werde in zwei Monaten 23. Bei den Anschlägen des 11. September 2001 war ich siebeneinhalb. Ich weiß zwar noch, wo ich davon erfahren habe – dieser Maßstab wird ja immer angelegt und gilt bei mir vor allem für den 13. November 2015 – aber nicht, was ich dabei gedacht habe. Ich hatte Angst, klar – aber keine Ahnung, wovor eigentlich. Und die Angst hat in der Folge auch nicht mein Leben bestimmt.

Was ich aber bis gestern überhaupt nicht wusste ist, dass Vladimir Putin zwei Wochen nach den Anschlägen eine Rede im Deutschen Bundestag gehalten hat. Auf Deutsch.

Das hat mich schon umgehauen. Vor allem, da ich mir sicher bin, dass meine Eltern und Großeltern bestimmt alle davon wissen.

Was nicht heißen soll, dass ich nicht gut erzogen oder ausgebildet wurde – ganz im Gegenteil. Aber es hat mir wieder einmal vor Augen gehalten, wie zerfleddert und uneinheitlich meine politische und geschichtliche Bildung ist.

Weshalb dies auch der Start einer neuen Serie mit dem zugegebenermaßen sperrigen Titel „Politische Geschichte in Bruchstücken“ ist. (Mit einer Abkürzung, die sich wie der lächerliche kleine Bruder des KGB anhört). Sie soll mich dazu anhalten, bei geschichtlichen Ereignissen, die mir auffallen, mich eingehender mit ihnen zu beschäftigen und das hier kundzutun.

Und als etwas gebildeterer Mensch als noch gestern sage ich: Es lohnt sich, auf die Rivalität zwischen Merkel und Putin zu achten. Sie ist ein nützlicher Puzzlestein, um die aktuelle Lage der Weltpolitik zu begreifen, vor allem ihre Wurzeln im Kalten Krieg. Warum Amerika so deutlich gegen Russland ist und John Oliver einen langen Beitrag zu Putin macht:

Dass das Verhältnis zwischen Putin und Merkel seit der öffentlich recht vielversprechenden Rede Putins mit den Jahren nicht besser geworden ist, ist sogar mir klar. Aber dass Merkel aufgrund ihrer Erfahrungen in der DDR dermaßen skeptisch gegenüber Putin war, dass sie sich schon 2001 kritisch über den Hintergrund seiner Deutschkenntnisse durch seine Involviertheit in der Stasi geäußert hatte, wusste ich zum Beispiel nicht.

Eine erste kleine Google-Recherche zeigt außerdem: Gesprächig sind die beiden wirklich nicht. Nur zwei größere Meldungen zu ihrer Beziehung gibt es aus dem letzten Monat:

Beides reine Diplomatie-Akte, die eine These des Times-Artikel bestätigen: Merkel ist seit Beginn ihres Verhältnisses mit Putin auf Regeln und nicht auf persönliche Übereinstimmungen und Verständnis bedacht.

Weshalb es auch weniger verwundert, warum dieser Phoenix-Reporter bei Putins Antrittsbesuch zu seiner dritten Amtszeit 2012 mit Wangenküsschen doch ziemlich überrascht war:

 

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