Leerlauf

Ich sitze auf dem Sofa und starre hinaus. Genauer als sonst betrachte ich die Fensterverzierungen des Hauses gegenüber und frage mich, wieso ich es heute nicht hinkriege, über Politik zu sinnieren.

Offensichtlich brauche ich eine Pause von meiner täglichen Jagd nach Diskussionspunkten, Ideen, hinter Debatten her.

Dann beschleicht mich aber sofort das Gefühl, sie nicht verdient zu haben. Ich befasse mich doch erst einen Monat mit Politik, andere machen das Jahre über Jahre. Das ist doch schwach von mir.

Schreibe ich nur deshalb gerade darüber? Um nicht einen Tag auf diesem Blog verstreichen zu lassen, ohne einen Beitrag zu leisten (indem ich einen verfasse)? Als Selbstrechtfertigung, als Inszenierung von Arbeit, während ich mich eigentlich von ihr zurückziehe?

Ist es aber für das, was ich auf dieser Seite verzeichne, vielleicht sogar wichtig, auch Inneres nach Außen zu kehren, was sonst die Voraussetzung dafür ist, was ich sonst so schreibe? Die ruhigen Momente, die Samstage, die nicht-kalt-nicht-warm-Wetterzeiten? Ich brauche sie, sie spenden Kraft. Jeder braucht sie irgendwann.

Heute kann ich das aber nicht endgültig sagen. Heute liege ich mehr als ich stehe. Dabei lese ich Ingeborg Bachmann.

Heute lasse ich einen Leerlauf zu. Um auch dem Raum des Nichtstuns und angestrengten Entspannens einen kleinen Platz zu geben, ihm ein Exil aus der Unsichtbarkeit in die Sphäre der wichtigen Diskussion zu verschaffen. Und um mich später auch an diese Zeiten zu erinnern. Denn vieles an ihnen ist sehr schön.

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