Was ist uns wirklich wichtig?

Eine Notiz über das Abonnieren ausländischer Zeitungen.

Das Internet hat viele Nachteile. Der, mit dem ich persönlich am meisten zu kämpfen habe ist das Überangebot an Information. Wozu noch schreiben, wenn es bereits so viele Nachrichten, Meinungen zu ihnen und selbst Meinungen zu den Meinungen gibt?

Eine kleine Begebenheit hat mich daran erinnert, warum es wichtig ist, trotzdem aktiv zu sein und nicht nur teilnahmslos zu beobachten.

Ich fand diese Bestätigung in einer kleinen Notiz im gestrigen „Briefing“ der New York Times. Dabei handelt es sich um eine kleine Übersicht mit den wichtigsten Nachrichten der letzten Stunden, welche die App jeden Morgen bereitstellt.

Dieses Briefing hat auch einen Teil über internationale Politik. Darin wurde mit einem Verweis auf den SPIEGEL von den Vorwürfen gegen den BND berichtet, systematisch mehrere Dutzend Journalisten ausgespäht zu haben.

Die Nachricht war mir bekannt. Ihr Inhalt hat mich daher nicht (mehr) interessiert. Dafür wurde meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelegt. Auf zwei Umstände, um genau zu sein: Erstens auf alle Nachrichten aus Deutschland, die die Times nicht in ihr Dossier aufgenommen hat – und auf den Raum, der der Notiz zum BND gegeben wurde.

Zur ersten Erkenntnis: Mir zeigte diese kleine Notiz, wie leicht es trotz aller globaler Information ist, eine zum eigenen Land gehörige Perspektive einzunehmen. Mir fielen direkt andere Geschehnisse aus Deutschland ein, die meiner Ansicht nach mindestens genauso wichtig waren. Keine aber aus anderen Ländern. Unbewusst habe ich dem Land in dem ich lebe, einen Vorrang in den Nachrichten einräumen wollen, die ich lese.

Zugleich habe ich gemerkt, wie unwichtig die BND-Nachricht der Times im Vergleich etwa zu Nachrichten über ihren Präsidenten ist. Auch diese so breit aufgestellte Zeitung setzt Prioritäten, bei denen 80 Millionen Deutsche und ihre aktuelle politische Umgebung auf zwei Zeilen komprimiert werden.

Und bevor diese Aussage irgendwie anders ausgelegt kann: Das ist gut so.

Es ist gut – hier etwa bei einer amerikanischen Zeitung – zu erkennen, dass mit der kleinsten Entscheidung darüber, wie lang und wie genau über eine bestimmte Nachricht berichtet wird, ein ganzes menschliches Bewusstsein, das eigene wie auch das „kollektive“ der Times-Redaktion, offengelegt werden kann. Und was das für eine Macht über unser Verständnis der Welt haben kann.

Diese Macht, die Nachrichtenmedien über unsere Erfahrung der Welt haben, steht dabei vor der Frage danach, ob die Nachricht richtig oder falsch ist, absichtlich beschönigend oder fehlleitend.

Es ist die bloße Macht zu zeigen, dass in unterschiedlichen Bereichen dieser Welt verschiedene Bedeutungen fast schon auf natürliche, mindestens auf unbewusster Ebene Vorrang haben.

Es ist elementar wichtig, sich das bewusst zu machen – und sei es mit einem unverhältnismäßig langen Artikel über einer zweizeilige Ticker-Nachricht über eine Regierung, die mutmaßlich in- und ausländische Journalisten ausspioniert.

Denn es ist ein Fetzen davon, was Wahrheit bedeuten kann. Und wie schwer sie zu finden ist:

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