Carl Schmitt, der Anwalt des Reichs: Interview mit Reinhard Mehring

Das beste von Alexander Kluge geführte Interview, das ich bislang gefunden habe. Leider in einem YouTube-Video, das sich nur am Computer und nicht auf Smartphone oder Tablet ansehen lässt.

Reinhard Mehring ist Politikwissenschaftler und hat mit „Carl Schmitt – Aufstieg und Fall“ eine facettenreiche, faktenmächtige Biographie über den auch Chantal Mouffe beeinflusst habenden Denker geschrieben.

Nicht nur werden in dem Gespräch mit Mehring wichtige Thesen von Schmitts Werk sowie einzelne Veröffentlichungen wie „Land und Meer“ vorgestellt, Mehring stellt auch immer wieder wichtige, allgemeingültige Diskussionspunkte politischen Denkens heraus.

Vor allem einer davon wird micht vermutlich noch länger beschäftigen: Das „anthropologische Glaubensbekenntnis“, das laut Carl Schmitts Politischer Theologie jede politische Theorie beinhaltet, indirekt wie direkt.

Reinhard Mehring beschreibt diese Gegebenheit so:

Carl Schmitt sagt begrifflich ganz klar: Jede politische Theorie muss mit einem anthropologischen Glaubensbekenntnis arbeiten und dieses Glaubensbekenntnis muss zumindest dem Gedanken Raum geben, dass ein Mensch dem anderen gefährlich sein kann.

Die Frage für mich ist hier: Habe auch ich ein Glaubensbekenntnis darüber, was der Mensch ist? Wie sieht es aus? Und ist es ein Dogma, ein Leitbild – oder vielleicht ein etwas, gegen das ich Widerstand leisten will?

Glaube ich zum Beispiel daran, dass ein Mensch dem anderen gefährlich werden kann? Ich würde sagen, ja. Aber wo gebe ich diesem Gedanken Raum?

Auf jeden Fall habe ich es getan, als ich vergangenen Montag schrieb, meine Gegner seien diejenigen, die die Pressefreiheit gefährden. Hinter dieser Aussage stehe ich weiterhin. Also glaube ich im Umkehrschluss an die Pressefreiheit?

Glaube ich mit so einer Antwort gleich an eine bestimmte Form der Anthropologie, an ein grundlegendes Element aller Menschen, das durch die Pressefreiheit gezeigt wird?

Eine zufrieden stellende Antwort kann ich mir auf diese Frage noch nicht geben.

Außerdem will ich sie nicht ausschließlich von meiner Beschäftigung mit Schmitt abhängig machen.

Denn, so zeigt sein etwa sein Glossarium – Notate aus den Jahren 1947 bis 1958 – darf bei aller Faszination dieses „schwankenden“, „offenen“ und „intellektuell hebenden“ Denkers (Mehring) seine nationalistische und antisemitische Haltung (gelinde gesagt) nicht vergessen werden.

Wie etwa eine Rezension der ZEIT lakonisch, aber deutlich bemerkt:

„Unwiderstehlich zieht es mich zu den Besiegten“, meint Schmitt [nach dem 2. Weltkrieg] – davon haben seine jüdischen Bekannten und Kollegen 1933 leider nichts mitbekommen.

Es gilt also mal wieder, um ein Sprichwort leicht abzuändern: Weiter lesen. Weshalb ich meinen Kommentar zu Schmitt an dieser Stelle auch beenden werde.

1 Kommentar zu „Carl Schmitt, der Anwalt des Reichs: Interview mit Reinhard Mehring“

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