Herbert Molderings: „Marcel Duchamp“

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Magie, Zylinderkolben, Cartesianismus, Phasenzerlegung, alchemistische Parabel, Betrachtungsakt, Analysis Situs, Kaminhauben, Apotheker, Versandkataloge; Schach.

Nichts davon bezeichnet Marcel Duchamp, aber zugleich alles. Ein Künstler, der alles zulässt und zugleich nichts.
Mit 58 so aussehen wie 85 – das konnte er. In seinem Badezimmer sterben, mit einem Lachen auf den Lippen – auch das.

Schach mit Francis Picabia spielen (in Entr’Acte, unten, ab 4:30) : Als Ausgleich zu dessen Zeitschriftseditionen.

Mit der Überwindung allen Widerstands in sich wurde Duchamp der vielleicht größte (– damit meine ich Widerstand–) in der und durch die Moderne – nur nicht für Herbert Molderings, der mit nur 130 Seiten eine Biografie vorgelegt hat, wie sie manche nicht mal mit dem dreifachen an Tinte zusammenkriegen.

Er ist einfach nicht zu verstehen.

Und doch macht die Biografie Molderings Sinn.

Ein am lebenden Objekt ausprobiertes Begriffskaleidoskop ist sie, bei dem nicht mehr anders mit ihnen, den Begriffe, umgegangen werden kann, als im Spiel. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie gut Molderings den Widerstand Duchamps überwindet, in dem er einfach mit ihm spielt – und wie nebenbei sein Leben in geschichtlichen Ereignissen, mit vielen Daten, die parallel geschahen, ordnet.

Kaum zu fassen, dass es dieses Buch nach 20 Jahren immer noch für unter 15 Euro neu zu kaufen gibt.


Herbert Molderings ist Kunsthistoriker. Seine Essays in „Die Moderne der Fotografie“ sind ebenfalls toll.

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