Worum geht es hier? Ein Zwischenbericht.

Die erste Woche ist vorbei.

Ich bin erfreut über die Resonanz auf dieses Projekts und die Energie, die es mir verleiht. Ich habe Unterstützung bekommen, Mitgefühl und erste Kritik, habe Energie weitergegeben und auch schon verpuffen sehen.

All diesen Reaktionen ist eines eigen: Sie entstehen durch die unterschiedlichen Formen an Beiträgen, die ich ausprobiert habe in den letzten sieben Tagen. Und sie betreffen unterschiedliche Aspekte des Themas Widerstand und meiner Herangehensweise. Diese will ich jetzt etwas erklären. Beginnen wir beim Wichtigsten.

1. Der Titel

„Worte des Widerstands“ ist kein eindeutiger Titel – und das ist Teil der Sache. Es ist elementar an ihm, dass nicht klar ist, wer oder was in diesem Ausdruck spricht: Der Widerstand, oder ich selbst, oder ein anderer in den Worten des Widerstands…

Die Suche, die sich in diesem Titel ausdrückt – was macht den Widerstand wörtlich aus? kann er selbst sprechen? – ist ein zentrales Problem dieses Projekts, ohne dass ich nicht daran arbeiten würde.

Die Suche nach einer Antwort darauf spiegelt sich auch in den folgenden Punkten wieder.

2. Ist es Journalismus oder Kritik?

Formen des Journalismus sollen hier neu erprobt werden: Die Reportage, der Bericht. Ebenso auch kritische Unternehmungen: die Rezension, die Interpretation, der politische Kommentar.

Wo liegt dabei/darin mehr Widerstand, wo weniger? Wo liegt er im Journalismus und wo in der Kritik? Liegt er in mir oder im Gegenstand? Ich weiß es noch nicht.

3. Soziales Engagement und Sprache

Ich studiere und lese viel. Ich weiß, dass es mir Freude macht, mich gewählt auszudrücken. Ich finde, es macht den Geist flüssiger und dass das gut so ist.

Genauso ist mir klar, dass der Begriff Widerstand unwiderruflich geschichtliche Ereignisse  hervorholt, die „gehobene Sprache“ zweitrangig machen: Revolutionen.

Revolutionen als Widerstand sind im öffentlichen Bewusstsein im Grunde immer Revolutionen des „Volks“.

Das Vorurteil denkt: „Das Volk spricht anders als der Akademiker. Also muss von links motiviertes Schreiben über Widerstand daran angepasst sein.“

Ich halte das für kein Argument.

Soziales Engagement, politisiertes Handeln ist Aktion – Sprache ganz genauso. Das heißt: Wenn ich differenziert schreibe, handle ich damit differenziert. Und wenn ich somit sozial und politisiert differenziert handle, beziehe ich mehr Leute ein, weil ich mehr Unterschiede möglich mache.

Je mehr Leute ich einbeziehe, desto demokratischer ist die Aktion – und desto herausfordernder, da viele Meinungen aufeinanderprallen. So ist es auch bei mehr Worten und unterschiedlichen Themenfeldern. Ich will mit meiner Sprache herausfordern, um demokratisch zu sein.

Und man muss mir dabei nur eine Sache immer glauben: Die Sprache, die ich für ein Thema wähle, ist für mich immer so herausfordernd wie für den, der sie vielleicht liest. 

4. Inspiration und Anregung

Um vielleicht etwas klarzustellen, was damit gemeint ist, ein Beispiel: Der Unterschied zwischen Inspiration und Anregung.

Dieser Unterschied ist für gelingenden Widerstand extrem wichtig.

Zunächst zur Inspiration: Sie ist ungemein wichtig für politische Aktion. Sie ist der Schlüssel für kreatives Handeln – aber damit eben auch nicht erlernbar: denn wenn etwas unmöglich ist, dann ist es der Versuch nachzuvollziehen, wie ein anderer Geist produktiv wirkt.

Man muss auf sie vertrauen: Wenn man Widerstand leistet und das anderen mitteilt, hofft man, dass sie dadurch inspiriert werden, um eigenes/n zu tun. Der Geist der eigenen Aktion, das zentrale „Etwas“, was sie wie ein Gewebe trägt, der Kern daran, soll wie ein Funken überspringen.

Anregung funktioniert anders. Anregung funktioniert als Reiz. Durch einen Fingerzeig auf etwas, einen Wink soll ein anderer gereizt werden, sich mit einem Thema zu beschäftigen. Der Grund dafür im Anregenden, der Geist dieser Tat, spielt für den Angeregten aber keine Rolle. Es ist eher wichtig daran, dass der Anregende dem anderen zutraut, sich mit dem gemeinten Thema zu beschäftigen.

Inspiration signalisiert Vertrauen, Anregung signalisiert Zutrauen.

Ich will eine Form des Widerstands finden, die beides kann – und sie an Tatsachen wie Politik, Kunst, Literatur demonstrieren.

Das ist eine große Herausforderung, für die ich um Ausdruck ringe. Und diese Herausforderung findet hier seit einer Woche öffentlich statt.

 

2 Kommentare zu „Worum geht es hier? Ein Zwischenbericht.“

  1. Ich schätze deine Sprache und finde deinen Ansatz herausragend, da die Herausforderung, die mir dein Ausdruck bietet, sehr bereichernd für mich ist. Dadurch werde ich ausdauernder und motivierter. Diese Art der Auseinandersetzung empfinde ich als sehr spannend, da ich das Gefühl habe, mich nicht nur mit der „Außenwelt“ und der Politik zu beschäftigen, sondern mich auch mit mir selbst, meinem Geist und meinem Verständnis von Dingen, sowie der Sprache und dem Textgewebe an sich auseinandersetze. Das sollte idealerweise immer der Fall sein, ich weiß. Nichtsdestotrotz wird dieser Prozess der Reflektion in mir meist nur durch literarischen Text oder literarisches Sprechen ausgelöst.

    Dennoch verstehe ich deine Argumentation nicht wirklich. Ich bin davon ausgegangen, dass in einer Demokratie entscheidender ist, wie viele Menschen zu einer Formulierung oder zu einer Sache Zugang haben. Das individuelle Eingehen auf die Sprache (und somit auch auf die Bedürfnisse des Einzelnen) steht dem doch nach, insofern es sich nicht um den Schutz von benachteiligten Minderheiten handelt. Das bezieht sich aber nur auf deine Verwendung des Wortes „demokratisch“, es leuchtet mir durchaus ein, dass du mehr und viele unterschiedliche Leute ansprichst, wenn dein Sprachstil variiert, nur ich finde nicht, dass du dadurch quantitativ mehr Personen einbeziehst.

    1. Der Knackpunkt liegt, so glaube ich, in deinem letzten Satz: Ich glaube, dass die Frage, wie viele Leute ich einbeziehe, nicht durch meine Sprache vorbestimmt wird. Ich glaube dass Meinungsäußerung erst dann wirklich demokratisch ist, wenn sie auf die Fähigkeit hinarbeitet, ein Schreiben zu finden, dass – egal bei welchem Thema – offen bleibt und zeigt, dass keine Bedeutung, keine Meinung, die sie transportiert, endlos gültig, absolut ist. Und das muss ich – im Prozess des ersten Schreibens eines Beitrags – für mich so differenziert machen, wie es für mich möglich ist.

      Wird diese Sprachverwendung somit durchgehend geübt, so glaube ich, wird sie dadurch in ihrem Anspruch, demokratisch zu sein, immer deutlicher. Demokratisch heißt also für mich nicht, von Lesern und Personen Ansprüche ihres Wissens einzufordern. Das hieße darauf bestehen, dass der Zugang zu meinen Gedanken darin liegt, meine Sprache zu verstehen. Denn es ist immer am wichtigsten, was sie selbst von der Sprache verstehen und was nicht. Das ist es, was diskutiert werden muss, nicht meine erste hingeworfene Meinung. Das heißt, dieser Blog ist ein Raum, in den ich meine Gedanken werfe, und der erst durch das Echo, das andere durch ihr persönliches Empfangen zu mir zurückspiegeln, zu einem offenen Raum wird.

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